Von der Performantisierung in der Sprachwissenschaft

Es gibt eine Art Paradigma, das sich in den letzten Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten, in den Sprachwissenschaften ein wenig in den Vordergrund gedrängt hat. Es war dies das Phänomen der Performanz. Heute ist man fast schon wieder von der radikalen Meinung abgetreten.

Die Performanz, der Auftritt – das ist der Begriff, der lange Zeit ins Zentrum rückte, und damit allzu theoretische Sichtweisen auf die Sprache ablöste. Sprache als System von Elementen, bspw., wie sie im Strukturalismus gedacht wurde. Mit der “Performantisierung” indes legte man den Blick wieder mehr auf die Aktion selbst, auf das Sprechen (Schreiben, Kommunizieren).

Der Medienbegriff erfuhr eine Umdeutung. Ein Medium und ein Mediatisiertes gehören im Kontext einer Performanz zusammen und finden zudem gleichzeitig statt. Allerdings fühlte man nicht nur umgehend dem Sprachprozess selbst auf die Zähne, sondern alle Bereiche der Sprachwissenschaft erfuhren eine Umdeutung hin zu Performanzen.

Kontext

Im Bereich der Semantik-Theorien bspw. war es bis dahin üblich, sich den “Kontext” anzusehen, ein starres Gebilde. Der Kontext, in dem die Kommunizierenden eingebettet waren, und der selbst Einfluss auf die Bedeutung der vollzogenen Sprechakte ausgeübt hat. Ein und derselbe Satz, an zwei unterschiedlichen Orten geäußert, kann durchaus sehr weitreichende Unterschiede in der Bedeutung nach sich ziehen. 1986 schrieb Peter Auer in einem Aufsatz, dass es inzwischen zu einem Gemeinplatz geworden sei, dass sprachliche Äußerungen von ihrem Kontext abhingen (vgl. Peter Auer, 1986, Studium Linguistik (19), S.22f).

Mitte der 1980er fand eine Neuausrichtung statt. Man versuchte den Begriff der “Kontextualisierung” einzuführen. Man räumte der Seite der Sprecher mehr Einfluss ein. Ähnlich wie beim Begriffspaar Medium und Mediatisiertes stehen nun die Dinge in einem Gleichzeitigkeitsverhältnis. Das liegt an der Tatsache, dass man nicht mehr statisch, struktural denkt, sondern prozesshaft (Performantisierung). Der Kontext ist somit auch etwas, was sich im Gespräch immer wieder neu darstellt.

Mir ist erst relativ spät aufgefallen, dass viele der Begriffe, die ich im Studium kennen gelernt habe, eben durch diese Art der Performatisierung eine Umdeutung erfahren haben. Ein bisschen hat es mit dem Weggang von der Theorie zu tun und mit der Hinwendung zur Praxis, bzw. der Analyse derselben. Sprache als System ist eine Zeit lang out gewesen. Derzeit geht aber der Blick von der Praxisanalyse offenbar hin zu einem, der versucht beide Pole zu integrieren.

Sprache in den Neuen Medien (8)

Um ein wenig zu verdeutlichen, um welche Phänomene es sich bei der Sprache in den Neuen Medien handelt, heute ausnahmsweise mal ein audiovisueller Beitrag.

Linguistik ist in Randgebieten immer auch Sprachkritik. So wie sich manche Leute gegen Anglizismen zur Wehr setzen wollen, gibt es immer auch Unkenrufe gegenüber Inflektiven wie *liebguck*, *schwitz*, *denk* u. a. m. oder Abkürzungen und Akronymen wie LOL, OMG, HDL, THX, GN8 und vielen anderen mehr. Das sind sehr typische Phänomene, wie sie in den Neuen Medien zu finden sind und von dort auch in die Alltagssprache übergehen.

Mächtige Inskriptionen

Macht und Wissen, stehen in einem Verhältnis zueinander. Um das zu wissen, muss man jedoch keinen Propheten vom Berge herab gepredigt hören haben. “Die Macht der Inskriptionen” lautet der Titel eines kurzen Aufsatzes von Friedrich Balke in dem er gleichzeitig kurz die Position Bruno Latours im Kontext der neuereen Wissenschaftsforschung skizziert und diese gleichzeitig kommentiert. Über die Kommentare Balkes möchte ich an dieser Stelle nicht referieren. Vielmehr möchte ich kurz den Hauptgedanken (so weit er Latour betrifft) in eigene Worte fassen.
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What is a document?

what is a document?

“What is a document?” is the question Michael K. Buckland deals with in his essay for an issue of Media Studies journal. Concerning Shakespeare I’d likely ask – whether a textual or an antilope should be a document or not. This might conveniently result as the most particular concern in this essay. Watched from a different prospect, it would rather be like this: Whether or not a document has to be called a document should be identified via its function.

The modern documentalists, as Buckland names them, have emphasized this new dimension of objects of information management (or information science).
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What McLuhan did for ’em

I red an essay of Paul Levinson – McLuhan and Media Ecology. This short essay is somehow a contribution to the acknowledgement of Herbert Marshall McLuhan’s person. For Levinson it is clear that McLuhan’s ideas are profoundly necessary, but not sufficient for the foundation of what today is called Media Ecology.

Levinson presents what aspects of McLuhan’s work and at first what ideas of McLuhan’s are supporting the ideas of Media Ecology. The topic McLuhan dived into was communication, and it is above all the main aspect of inquiry in Media Ecology. Though it is neither technology, nor selfexpression nor are it aesthetics that are important in the field of Media Ecology although certain scholars have dealt with these aspects in the past, as Levinson states.
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A historical approach to the media

McLuhan's hourglass

I should have called this article a reminiscence of Herbert Marshall McLuhan’s view on the media, but it is, in particular, something differing a bit from it, that the essay I red deals with. McLuhan tried to change the peoples’ view on the media his whole life long. This essay, I am relating to, he wrote for an educational journal. The title should be named a bit different, because McLuhan provides the reader with a very special view on the history of men. He is convinced that cultural changes go hand in hand with changes in and with media technologies, and that the media are influencing our way of living. Senses and sensations are externalized through media, and certain modes of sensation always are predominant in some time on the timeline of mankind. For us it is to adapt to the different forms of externalization if we wanted to survive (cf. p. 104).


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Bedeutung und Sprachvergleich

So lautet die Kapitelüberschrift des 8ten Kapitels in Sebastian Löbners Semantikeinführung. Er geht darin exemplarisch auf einige Aspekte ein, die die Position des Strukturalismus noch ein Mal zur Diskussion stellen. Denn nach dem Strukturalismus ist jede Sprache in sich abgeschlossen. Diese Annahme möchte Löbner gerne auf die Probe stellen. Gibt es große Unterschiede, fragt er, oder

“[s]ind alle Sprachen doch im Wesentlichen gleich und erlauben es, dasselbe auszudrücken, über dieselben Dinge zu kommunizieren, nur eben auf die ihnen jeweils eigene Art und Weise?” (S. 230)

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Dekomposition – Teil 3

In Kapitel 7.4 Semantische Formeln führt Löbner in zwei Unterkapiteln zunächst zwei Ansätze jenseits der binären Merkmalsemantik ein, die jedoch beide auch dekompositorisch vorgehen und semantische Einheiten in ihre Teile aufgliedern. In Kapitel 7.4.1 ist dies Dowtys dekompositionale Semantik und im Kapitel 7.4.2 Jackendoffs Konzeptuelle Semantik. Beide Ansätze verwenden Dekomposition als grundlegendes Prinzip. Jackendoff geht jedoch, wie es bereits im Namen seines Ansatzes versteckt ist, davon aus, dass es sich bei Bedeutungen, ganz ähnlich der kognitiven Semantik, um kognitive Konzepte handelt, die im Gehirn in irgendeiner Weise angelegt sind.
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Dekomposition – Teil 1

Löbners 7tes Kapitel Dekomposition behandelt in der Tradition des strukturalistischen Paradigmas stehende Merkmalsemantik, die, wenn ich Löbner richtig verstanden habe, im Grunde mit Dekomposition gleichgesetzt werden kann. Zumindest ist das analytische Vorgehen gleichbedeutend. In diesem ersten Teil werde ich bis Kapitel 7.2 samt Unterkapitel einschließlich referieren.
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