GBG-Abiturjahrgang 1999/00, mit Hang zum gemeinsamen Gegeneinander

So oder so ähnlich könnte man die Situation in der Jahrgangsstufe beschreiben, in der ich selbst nur ein Mitschüler unter vielen bin. Mag sein, dass die Situation in unserem Jahrgang ebenfalls nur eine wie jeder andere ist, es sich um ein allgemeines Verhalten Vieler handelt, das anderswo in der Welt immerzu an den Tag gelegt wird. Sicher gibt es auch andere Abiturjahrgänge, die sich nicht hundertprozentig grün waren. Trotzdem ist es an der Zeit, die Dinge in Worte zu fassen, die vielleicht eh schon ein jeder weiß, aber keiner vermag offen auszusprechen.

Im Allgemeinen verfügt die Jahrgangsstufe über mehrere Gruppen. Daran ist wohl noch nichts verwerflich, denn der Mensch ist für gewöhnlich kein Einzelgänger, sondern ein Herdentier, welches vom Dasein der anderen profitiert. Im Speziellen aber, gibt es in den Gruppen selbst noch einmal Grüppchen und ja, auch Einzelgänger gibt es, sei es, weil sie es gerne sind, oder weil sie den Anschluss verpasst haben oder nicht in Schema XY des Grüppchens XY passen (dies stellt die kleinste hier zu nennende Einheit dar). Schwierig gestaltet sich das Verhalten innerhalb der Gruppen zwischen den Grüppchen untereinander, so wie zwischen den Grüppchen mit der eigenen Gruppe oder fremden Grüppchen und Gruppen und umgekehrt.

Im Allgemeinen heißt es zudem, dass Kursfahrten dazu beitragen, die Stimmung im Kurs hochzuhalten oder zu verbessern. Im Speziellen stellt man aber fest, dass dies nicht immer der Fall sein muss, und vereinzelt die intraspezifische Konkurrenz eher noch zu- als abnehmen kann. Man möge mich korrigieren, wenn es in unserer Jahrgangsstufe von Eitelkeit und Egoismus nur so wimmelt, aber solch ein Urteil kommt bestimmt nicht von ungefähr; ich schließe mich da durchaus ein. Selbst wenn es nicht immer und nicht bei jedem den Anschein macht, dass er oder sie, von ihm oder ihr für ein vollwertiges Mitglied der Jahrgangsstufe gehalten werden. Es soll Leute (wie mich) geben, die sich aus dieser Annahme heraus, nicht für die Belange der Jahrgangsstufe interessieren oder gar einsetzen.

Die Wahlen für Jahrgangsstufensprecher gestalten sich unter solchen Voraussetzungen natürlich nicht gerade leicht, und eine eindeutige Zuordnung, in der Art, dass es jemanden gibt, der wirklich für alle spricht, scheint in dieser Jahrgangsstufe nicht realisierbar. Interessant ist überdies, dass es fast niemanden gibt, der nicht, wenn sich die Gelegenheit bietet, im Beisein von Grüppchen- und/oder Gruppenmitgliedern die Möglichkeit ungenutzt an sich vorbei ziehen lässt, kundzutun was ihm oder ihr an dem Mitglied XY aus dem Grüppchen XY nicht passt. Schade ist in dem Fall, dass das Mitglied XY meist nicht zugegen ist. Kompliziert wird es dann auch, wenn die Meinung, die A über B hat, nicht immer dieselbe ist, sondern davon abhängt, ob A mit C oder D über B spricht und umgekehrt.

Es ist eindeutig eine Art Gruppendruck zu erkennen. Dieser ist aber ein Bestandteil des menschlichen Sozialverhaltens und kann nicht ohne weiteres abgeschüttelt werden. Doch passiert es immer wieder, dass Mitglieder von Grüppchen, wenn sie alleine mit Mitgliedern von völlig anderen Gruppen zusammen sind, sei es auf Kursfahrten oder an anderer Stelle, ein ganz anderes Verhältnis an den Tag legen, als wenn jene in Begleitung ihrer Grüppchenmitglieder sind, und so, die in dem Grüppchen grüppchenintern gültige Haltung, jemand anderem gegenüber, einnehmen. Ich betone noch ein Mal, dass die Schilderungen durchaus auf andere Jahrgänge zutreffen würden, doch werde ich meine subjektive Empfindung nicht los, dass sich in der Vergangenheit nicht dermaßen viele Fronten gebildet haben, und die Kompliziertheit bei weitem nicht so groß war, wie sie sich heute bei uns darstellt. Außerdem einmalig an der ganzen Geschichte ist wohl, dass ein australischer Austauschschüler die Situation am eigenen Leibe erlebt hat.

Bis zum Abitur ist es nicht mehr lang und trotzdem habe ich die Hoffnung, dass sich zumindest hier und da einige Hürden überwinden lassen, und es sei uns gesagt, dass das Mittel Kommunikation und nicht Segregation heißt, welches uns ans Ziel führt.

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