Doppelter Abschied von Kochberg

Mit dem Titel dieses Artikels hat auch Ulrich Kaufmann einen von ihm erschienen Aufsatz benannt. Erschienen ist der Aufsatz in einem Sammelband Jakob Michael Reinhold Lenz: Vom Sturm und Drang zur Moderne (2001). Herausgegeben wurde der Sammelband im übrigen von Andreas Meier. Inhaltlich versucht Kaufmann ein Gedicht von Volker Braun mit einem von JMR Lenz in Verbindung zu setzen. Beide heißen jeweils “Abschied von Kochberg”. Er gliedert seinen Aufsatz in drei Kapitel. Im ersten führt er zunächst ein wenig den Kontext und Inhalt des Gedichts von Volker Braun an. Im nächsten Kapitel tut er Selbiges für das Gedicht von JMR Lenz. Im dritten Kapitel schließlich, versucht Kaufmann eine Synthese der gedanklichen wie biographischen Belange zumindest rudimentär herbei zu schreiben.

Quatsch ohne Soße?!

Der werte Herr Kaufmann ist in all seinen Ausführungen sehr knapp, dafür an mancher Stelle mit einer Beurteilung nicht unbedingt entsprechend zurückhaltend. Da mich Braun nicht interessiert, möchte ich vor allem auf die Aussagen Kaufmanns bezüglich des Poems von Lenz eingehen.

Gleichwie sei vorweg gesagt, dass der Bezug, den Kaufmann versucht herzustellen vielleicht sogar vorhanden ist.

Am 30. Oktober 1776 sei das Gedicht entstanden, dem letzten Tag, da Lenz auf Schloss Kochberg weilte. Eingeladen dorthin wurde er von Charlotte von Stein, einer sehr guten Freundin Goethes, wenn nicht sogar seiner Geliebten – eine Frau, die zudem auch Lenz interessant findet. Zunächst ließe sich anmerken, dass Kaufmann eine Kritik an der Literaturwissenschaftlerin Sigrid Damm in dem Aufsatz unterbringt, wie sich in dem kompletten Sammelband eigentlich an einigen Stellen kritische Äußerungen gegenüber Damms Arbeitsweise finden. Ob begründet oder nicht, das vermag ich nicht zu entscheiden.

Kaufmann muss jedes Mal aufs Neue, so dann auch später im dritten Kapitel anführen, dass im Grunde die gemachten Ausführungen viel zu kurz gehalten sind, und nicht in der entsprechenden Ausführlichkeit behandelt werden können. Es wäre von Kaufmann sehr freundlich gewesen, dem Leser zu verraten, warum er dann seine Ausführungen nicht lieber erweiterte, anstatt im Verlauf immer nur Andeutungen zu präsentieren. Für mich eine sehr zweifelhafte Vorgehensweise. Der Umfang in einer Hausarbeit während der Studienzeit mag limitiert sein, aber ein dünner Sammelband hätte mitunter einige Seiten mehr ohne weiteres vertragen. Wie dem auch sei, zurück zu Lenzens Gedicht.

Kaufmann interpretiert es biographisch und feuert auch in diesem Kontext einen Seitenhieb ab. So setzt er die Bemerkung wohl noch in Klammern, meint aber sagen zu können, dass “man [das Gedicht] kaum anders als biographisch auslegen kann […]”. (S. 106) – Lenz’ Gedicht war bereits in zwei meiner Seminare Gegenstand der Diskussion gewesen und es fanden sich durchaus eine Menge Indizien nicht nur für eine biographische Interpretation, sondern ebenso Argumente für einen soziologischen und sogar einen ideologiekritischen Interpretationsansatz.

Vielmehr bleibt leider dazu nicht zu schreiben. Der Aufsatz ist für Lenz-Interessierte kaum lesenswert, denn es finden sich die wenigen Informationen bezüglich des Gedichts “Abschied von Kochberg” an vielen anderen Stellen.

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