Freunde – am Ende

Es mag komisch klingen, doch am Ende ward beinahe alles gut und irgendwie doch nicht so ganz. T. S. Eliots Ein verdienter Staatsmann nimmt nur mit Lord Claverton einen versöhnlichen Abschied. Der gute Mann, sein Lebtag von den Geistern der Fehlbarkeit seiner längst vergangenen Tage geplagt, darf sich am Ende der Reue hingeben und damit frei werden. Er darf die Maske ablegen hinter der sich nur ein Mensch versteckt, und, er darf sein, was alle zu sein pflegen und trotzdem noch nicht alle sind, sie selbst.

Ist Eliots Stück nun moralisch?

Mitnichten! Es schwingt keine Reden und plakatiert keine Verfehlungen…

Aber was war im 3ten Akt geschehen? Mrs. Carghill und Federico Gomez hatten sich zusammengetan, sich den abwanderungswilligen Sohn Clavertons Untertan gemacht und so gehofft ihre eigene Schuld, derer sie sich nie bewusst wurden und auch wohl nie werden, mit Rache rechtfertigen zu können. Doch Lord C. tat sich ebenfalls zusammen, schenkte seiner Tochter und dem Verlobten reinen Wein ein, weihte sie ein in die beiden Geheimnisse, die Claverton mit diesen Geistern verbanden solange er sich nicht offenbart hatte. Hernach geht es ihm besser, gleichwohl sein Sohn sich von ihm abwendet und mit Gomez nach San Marco gehen wird. Doch im Abwenden von der Maske des Vaters erkennt derselbe das Gute, weil er selbst die Maske abgelegt hat, hegt er keinen Greuel mehr. Das Stück war recht kurzweilig, aber doch nicht unbedingt langweilig. Die literarische Tiefe gibt es entweder nicht, oder ich bin nicht in der Lage, sie zu erkennen, weil ich die Dimensionen der Symbolik nicht zu entschlüsseln vermag – aus Mangel an Vorbildung, versteht sich. 🙂 Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ein Platz in meinem Bücherregal wird fortan durch dieses Stück eingenommen werden, und vielleicht, irgendwann, werde ich das Buch wieder zur Hand nehmen und darin lesen.

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