Wohin des Weges?

Wohin genau es gehen soll, das weiß der Leser wohl noch nicht, wenn er vor dem Beginn des 5ten Kapitels in Bölls Billard um halbzehn steht. Neben Robert Fähmel wird auch die Person seines Vaters mehr und mehr in den Vordergrund gerückt. Zwei Generationen, zwei unterschiedliche Positionen, die dennoch einiges verbindet.

Kapitel 3 wird von Böll benutzt, um die Spannung hoch zu halten. Der junge Fähmel wird erst kurz vor Schluss dem Hoteljungen Hugo die Bitte beichten: “Zeig mir, wie ich hier herauskomme, ohne durch diese Tür zu müssen” (S. 80). Bis dahin wird er ihm allerdings auch einiges aus seinem Leben erzählt haben, und so wird sich eines zum anderen fügen, wird indirekt in der Schilderung auch der bislang Unbekannte mit der Aura der Zigarre seinen Schleier gelüftet bekommen. Gar nicht so gefährlich, scheint er auf den ersten Blick, und doch nimmt der junge Fähmel Reißaus und verzögert (oder verhindert gar?!) ein Aufeinandertreffen der beiden. Fähmel vs Nettlinger. Gemeinsame Jugendfreunde wie es scheint, die sich gegen den Autoritarismus der Sportlehrer – Nazileichen quasi – zur Wehr setzen, und damit auch in ihrer Jugend schon mit ihrem Körper haben büßen müssen.

Das nächste Kapitel gilt ganz und gar dem Jubilar. Der Fähmel, der Alte, der Senior hat Geburtstag, wieder einmal. Ihm ist’s nicht gar so Recht, möchte nicht von jemandem belästigt werden. Stattdessen verbringt er den Vormittag mit seines Sohnes Angestellten Leonore auf seinem alten Atellier. Er bot ihr an, bei ihm Ordnung zu schaffen, die dringend notwendig sei. Vielleicht sucht dieser Mann wirklich nach Ordnung in seinem Leben, wenngleich nicht so oberflächlich, wie in der Sortierung seiner Unterlagen von damals sich darstellend. Leonore beginnt den Laden auf Vordermann zu bringen, und der alte Fähmel beginnt die Geschichte seines Lebens vor ihr auszubreiten. Wie er zu seiner Frau gekommen, die jetzt, da sie dort oben weilen, schon eine ganze Weile, viel zu früh, verstorben ist. Einsamkeit ist mit Sicherheit auch eine Sehnsucht, die in ihm brennt. Und doch, er mag es, wenn Frauen Hüte tragen. Wir erfahren erneut eine Menge über ihn, seinen Sohn und was uns zwischen den Zeilen geboten wird. Erwarten wir gespannt, was sich sodann im nächsten, im 5ten Kapitel über uns ergießt.

Böll, Heinrich, 1959: Billard um halbzehn. - Stuttgart, Hamburg: Deutscher Bücherbund.

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