“Weine nicht, …

… Alter”, heißt es andauernd im 5ten Kapitel von Heinrich Bölls Billard um halbzehn. Gesprochen werden diese Worte von Fähmel Seniors Frau, die sich laut ihrer eigenen Auffassung in einem verwunschenen Schloss aufhält, eigentlich aber in einem Sanatorium hausen muss. Auf knapp 40 Seiten – denn gut 40 können es dank drei oder vier Zeichnungen nicht werden -, findet sich bald ein monologisches Zwiegespräch wieder. Der alte Fähmel kam an seinem 80ten Geburtstag seine Frau im Sanatorium besuchen, die in ihrer Zeitrechnung weit davor stehen geblieben ist. Jeder der sie besuchen kommt, muss sich darauf gefasst machen, dass sie ausschließlich in ihren Erinnerungen leben will. Wir erfahren aus ihrem Munde einige Zusammenhänge aus der Vergangenheit, werden auch über ihre eigene Person informiert.

Ebenso muss ich mich an dieser Stelle korrigieren. Der Nettlinger, wie im letzten Bericht über Billard um halbzehn ich schrieb, ist gar kein Freund der Familie gewesen, sondern lediglich einer der Sportlehrer auf den Robert einen Anschlag verübte, der aber missglückte und fortan vor ihm Reißaus nehmen musste. Als seine Familie nach einigen Jahren sich ihrer Verbindungen erinnerten, erwirkten sie eine Amnestie. Und dennoch, war nichts wie zuvor. Die Familie insgesamt scheint nicht mit Glück gesegnet. Sie hatte Todesfälle noch und nöcher zu beklagen, und ein Bruder Roberts war’s, der denselben an den Nettlinger verriet, als er in seiner Jugend, in den Niederlanden studierend, versuchte Kontakt zur Familie daheim aufzunehmen. Der Otto, der war ihnen allen fremd, den Fähmels; nur eine Hülle war er für sie. Viel detaillierter möchte man nicht auf die Schilderungen eingehen, weil sonst zu viel verraten würde, von der schönen Geschicht’.

Böll, Heinrich, 1959: Billard um halbzehn. - Stuttgart, Hamburg: Deutscher Bücherbund.

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