Rüttgers’ Supergau

Anhänger einer Partei zu sein, ist sicherlich keine allzu schwierige Aufgabe, so wie es mitunter nicht besonders schwer ist, Anhänger eines Fußballclubs zu sein. Allen Unkenrufen zum Trotz, gibt es genügend Bayern München-Fans im Ruhrgebiet, höchstwahrscheinlich – relativ betrachtet – mehr Fans als es in Bayern Fans vom BVB oder von Schalke gibt.

Doch was machen die Anhänger der NRW-CDU, geschweige denn die Fans von Angela Merkel – richtig, all die Leute, die zum Lachen in den Keller gehen -, was also tun solche Leute, wenn es regelmäßig Situationen gibt, in denen sich Führungspolitiker in Bruchteilen eines Augenblicks zunächst mit ihrer Meinung in die Öffentlichkeit begeben und dann feststellen müssen, dass ihr Wort in der Öffentlichkeit überhaupt nicht gut ankommt. Letzteres ist schon häufiger, in jeder Legislaturperiode, unter Politikern aller Couleur vorgekommen. Doch dieses Mal hat Jürgen Rüttgers eine neue Dimension der Meinungsbildung in Deutschland eröffnet.

Wahrscheinlich durch die Wahl Joseph Ratzingers zum neuen Papst bedingt, fühlte sich Rüttgers dazu in die Lage versetzt, seinem eigenen katholischen Glauben den Lorbeerkranz aufzusetzen und, stilistisch nicht gelungen, dies noch verbal zu unterstreichen. Was war passiert? Rüttgers war zu Gast in der N24-Talksendung Studio Friedman und hat dort wahrscheinlich sogar die Hardliner unter den Christdemokraten mit seinem Auftritt mehr als verwirrt. Rüttgers hob die katholische Religion über alle anderen Religionen wie folgt hinweg: “Ich bin Katholik und glaube, dass unser christliches Menschenbild das richtige ist und nicht vergleichbar mit den anderen Menschenbildern, die es anderswo auf der Welt gibt.” Er führte auf Nachfrage von Friedman außerdem aus: “Ich glaube, dass es [das Menschenbild, AT] das richtige ist – wenn sie wollen, auch überlegen.” Wie in der NZ zu lesen ist, stößt Rüttgers damit sowohl in den Parteien, als auch bei den Kirchen auf Protest.

Ich bin niemand, der sich besonders gerne in den Wahlkampf einmischt, aber ich bin entschieden gegen diese Meinung von Herrn Rüttgers, der sich, meiner Meinung nach damit auf eine Ebene mit dem jetzigen Präsidenten der USA, George W. Bush zu hiefen versucht. Eventuell erhofft sich Rüttgers in Deutschland einen ähnlichen Rechtsruck innerhalb der Christen des Landes, wie er sich zuvor mit den Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen in den USA dokumentiert hat. Während sowohl die SPD, die Grünen als auch die FDP in NRW auf Distanz zu Rüttgers gingen, versuchte man in der CDU das Ganze herunter zu spielen (vgl. dazu NZ). Den Wortlaut des Interviews kann man an dieser Stelle nachlesen (NZ). Im Focus wird derweil darüber berichtet, dass Rüttgers seine Meinung bereits relativiert habe (vgl. Focus-Online), und während im Spiegel die Kritik von Rüttgers beim Namen genannt wird, weiß der Stern sogar zu berichten, dass Rüttgers mit seiner Äußerung zum Heiligen Krieg blase. Ob die Fragen von Friedman nun suggestiv gestellt werden oder nicht, dass ist sollte jemandem, der sich in diese Sendung einladen lässt, hinlänglich bekannt sein. Zudem hat Rüttgers dann wohl gezeigt, wie leicht er unter dem Einfluss unter Suggestion steht, wenn er denn unbedingt den schwarzen Peter an Friedman delegieren möchte. So jemanden an die Spitze der Landespolitik zu wählen ist eher fahrlässig. Am Ende lässt sich Rüttgers noch von jemandem dazu verleiten die Bildung ins Ausland zu verkaufen, oder innerhalb NRWs eine eigene Mautstrecke aufzustellen, weil ihm der suggestive Geist dieser Person nicht mitgeteilt hat, dass es so etwas schon bundesweit gibt. Die Eigenheimzulage möchte Rüttgers abschaffen, hat er gesagt; doch vielleicht stimmt das auch nicht, weil Friedman ihm dies nur suggeriert hat und der arme kleine Jürgen am Ende gar nichts dafür kann. Meine Meinung: Kompetenz für NRW sieht anders aus.

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