Austin, John L. – Performative und konstatierende Äusserung (sic!)

Ein weiterer Text von John L. Austin, der für die Zwischenprüfung relevant ist. Beim Lesen kriegt man mitunter das Gefühl, dass man (ich) mitunter einiges von dem schon einmal gelesen hat. Richtig, ich habe diesen Text im November 2003 schon einmal gelesen. Doch das ist nicht der Grund, warum er mir so bekannt vorkommt. Vielmehr liegt er inhaltlich auf einer Wellenlänge mit den Aussagen Austins in seinen Vorlesungen. Frappierend ist bisweilen die Ähnlichkeit des Geschriebenen, die Art und Weise, wie er die Elemente kategorisiert genauso, wie die Beispiele, die Austin in diesem Text benutzt. Sie sind, außer dass es sich insg. um weniger Beispiele handelt, bislang identisch mit den Beispielen aus den Vorlesungen 1 und 2 von Austins “Zur Theorie der Sprechakte”, die ich bislang behandelt habe. Es sei mir verziehen, wenn ich die Bereiche dieses Textes, die in den Vorlesungen bereits behandelt wurden, entsprechend stiefmütterlich abhandele.

Zunächst wiederholt Austin Einiges, dass er bereits zuvor, zu den Ansichten der Philosophen von gewissen linguistischen Phänomenen erwähnte. Es sei zwar von jenen unterstellt worden, eine Aussage würde als Existenzkriterium die Frage nach der Wahrheit und Falschheit der Proposition haben u. a. m. Er erläutert dann, was er grob unter einer performativen Äußerung verstehen möchte, nämliche eine Äußerung

“zum Vollzug einer Handlung” (S. 140).

Darüber hinaus lässt sich eine performative Äußerung

“durchaus kritisieren, freilich in einer Dimension, die von der des Wahren und Falschen vollkommen verschieden ist” (S. 141).

Die sich vollziehende Handlung benötigt entsprechende Rahmenbedingungen und Anforderungen an die Beteiligten (vgl. ebd.). Austin fängt sodann wiederum an, Gründe des Misslingens anzuführen und diese gewissermaßen zu schematisieren oder kategorisieren, doch darauf möchte ich an dieser Stelle nicht mehr näher eingehen. Zusammenfassend sei aber gesagt, dass es

“drei Arten des Mißlingens [gibt], die zur performativen Äußerung gehören” (S. 142),

welche da sind:

“die Nichtigkeit, de[r] Mißbrauch oder Mangel an Aufrichtigkeit und de[r] Bruch der Verpflichtung” (ebd.).

Austin stellt sodann die Frage in den Raum, ob es generelle Kriterien gibt,

“sei es in der Grammatik oder im Vokabular” (S. 143),

die es ermöglichen eine performative Äußerung eindeutig zu identifizieren. Doch bereits im selben Abschnitt charakterisiert er diese Forderung nach eindeutigen Kriterien als utopisch. Es ließen sich gleichwohl “zwei ‘Normalformen'” performativer Äußerungen angeben (vgl. ebd.). Nachdem Austin beide Normalformen erläutert hat, gibt er eine Hilfe an, mittels derer man mitunter in der Lage ist, in schwierigen Fällen zu entscheiden, ob eine Äußerung performativ oder konstatierend ist. Man solle

“das Wörtchen ‘hiermit’ oder etwas Vergleichbares” (ebd.)

in den Satz einsetzen, und bleibt dieser konsistent, handele es sich um eine performative Äußerung. Zudem gibt Austin ein Kriterium an, bei dem

“man sich einer wohlbekannten Asymmetrie, die bei sogenannten ‘explizit performativen’ Verben zwischen der ersten PErson Singular Präsens Indikativ Aktiv und den übrigen Personen und Zeiten desselben Verbs vorliegt” (ebd.),

bedient. Als Beispiel dient ihm hier das Verb versprechen. Ich verspreche hält er im Gegensatz zu anderen Formen desselben Verbs für performativ, wohingegen Ich versprach oder Er verspricht für Austin

“Ausdrücke sind, die nur zur Beschreibung oder Wiedergabe eines Versprechensaktes gebraucht werden, nicht aber zu seinem Vollzug” (ebd.).

Weitere Mittel, wie man performative Äußerungen erzeugen kann, bzw. im umgekehrten Sinne Kriterien an denen man sie erkennen kann sind u. a.

“die Intonation […] oder die Gebärde […]. Darüber hinaus vermag im besonderen der Zusammenhang, in dem die Worte geäußert werden, klar zu machen, wie sie zu verstehen sind” (S. 144).

Austin hat all diese Kriterien natürlich auch mit Beispielen angehäuft und an jeder Stelle auf etwaige Problemstellen oder Uneindeutigkeiten hingewiesen. Es sei mir verziehen, wenn ich so viel von Austin selbst zitiere, aber sowohl im Original, als auch in der Übersetzung ist Austin recht eingängig und verständlich. Er bemüht sich offensichtlich sehr darum, seinem Leser verständlich zu machen, worum es ihm geht. Von daher bin ich nicht gescheut, seine an Stelle meiner Worte einzusetzen, um eben auch seine Sachverhalte zu erläutern. Austin fasst nunmehr zusammen, dass

“wir kein rein verbales Kriterium des Performativen erwarten [dürfen]. Gleichwohl können wir hoffen, daß jede Äußerung, die in der Tat performativ ist, ich […] auf eine Äußerung […] unserer Normalformen zurückführen lassen wird. Weiterhin wären wir mit Hilf eines Wörterbuchs imstande, eine Liste all der Verben aufzustellen” (S. 145)

und zwar anhand des eben bereits erwähnten Asymmetrie-Kriteriums,

“die in einer unserer expliziten Formeln auftreten können” (ebd.).

Jetzt könnte man meinen, hätte der Aufsatz ein Ende gefunden – doch weit gefehlt, denn es ist in der Überschrift bereits erkennbar, dass die konstatierende Äußerung ebenfalls eine Rolle spielt. Austin gibt zwei Dinge zu bedenken, zum einen, dass nicht jedem vertraut sein muss, was es überhaupt bedeutet, wenn man von einer konstatierenden Äußerung spricht und zum anderen, dass oder vielmehr ob die beiden Begriffe der performativen und der konstatierenden Äußerung überhaupt antithetisch gegeneinander stehen müssen, oder nicht beide nur eine andere Ausprägung derselben Sache seien (vgl. ebd.). Austin fährt fort, indem er sich der konstatierenden Äußerung auf analoge Weise nähert, wie er das für die performative Äußerung getan hatte. Er geht wieder auf den Begriff des Misslingens ein, referiert dabei auch auf die Kategorien von wahr und falsch und gibt überdies zu bedenken, dass eine konstatierende Äußerung auf verschiedene Arten und Weisen absurd sein kann (vgl. ebd.). Er bringt so nach und nach jeweils Kriterien von konstatierenden Äußerungen mit denen von performativen Äußerungen zusammen, beleuchtet diese von anderen Standpunkten, als dies vielleicht gewöhnlich geschieht, verweist auf Unterschiede in der Bedeutung, die er sich dazu dienlich macht, dieselben oder zumindest ähnliche Kriterien der einen Kategorie von Äußerungen auf die andere Kategorie von Äußerungen anzuwenden. Dies soll ihm gewissermaßen als Beweis für seine These dienen, dass konstatierende wie performative Äußerungen lediglich Teile ein- und desselben Objekts sind. Er folgert dann:

“Was wir brauchen, ist wohl eine allgemeinere Theorie dieser Sprachhandlungen; und in einer solchen Theorie wird unser Gegensatz zwischen performativen und konstatierenden Äußerungen allerdings kaum erhalten bleiben” (S. 150).

Abschließend – und dies hat nur ein wenig mit der Thematik des Aufsatzes zu tun – geht Austin näher auf die philosophische Qualität der Begriffe wahr und falschein und lüftet in seinen Augen den Schleier dieser Faszination (vgl. S. 150-153).

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