So kann’s gehen

Der Weg ist vorgezeichnet, und doch, man hat als Leser von Hans-Georg Noacks Geschichte nicht das Gefühl, als würde man sich den Ausgang so wünschen. Viel eher noch hofft man an manchen Stellen, dass es endlich gut ausgehen möge. Doch dann hält man das Buch ein wenig von sich weg und schaut darauf herab, und denkt, dass noch zu viele Seiten übrig sind, als dass die Geschichte schon zu Ende sein könnte. Wahrscheinlich unterscheidet das ein Jugendbuch von einem fesselnden Roman für Erwachsene?! Ich würde nicht drauf wetten. Streckenweise habe ich auch darin gestöbert, ohne auf den Buchblock zu sehen.

Rolltreppe abwärts erzählt die Geschichte des 13-jährigen Jochen, der sich in einer Welt bewegt, in der Menschen Fehler machen dürfen. In einer Welt, in der jeder Fehler machen darf, wollen alle ihn ermahnen, dass er sich verantwortungsvoll verhalten solle und ihm nicht zugestehen, Fehler zu begehen. Jochens Eltern sind geschieden und er kommt nach einigen Schwierigkeiten, nach einigen Dummheiten, die er zwar vollbracht hat, aber bei deren Vollzug ihm nicht unbedingt immer böser Wille unterstellt werden müsste oder gar Absicht – für diese Dummheiten, und weil seine Mutter mit ihm im Schlepptau nicht in der Lage ist, ihr eigenes Leben zu leben, weil sie nicht stark genug scheint, um dem Jugendamt oder ihrem zukünftigen Ehemann, Jochens baldigem Schwiegervater, Paroli zu bieten, wird der Junge in ein Fürsorgeheim gesteckt.

In einem Nachwort, das meiner Ausgabe aus dem Bertelsmannclub beigegeben war, schreibt der Autor unter anderem folgende Zeilen, die etwas Licht ins Dunkel helfen bringen:

“Ich wollte keine Reportage schreiben und auch keinen Bericht über die Zustände in einem Heim. […] Ich wollte die Geschichte einer Vereinsamung erzählen. Die Geschichte eines Jungen, der nicht zurechtkommen kann, weil auch Menschen, die es gut mit ihm meinen, im jeweils entscheidende Augenblick versagen, nicht da sind, nicht helfen. Nicht etwa, weil sie böse wären, sondern weil sie genauso fehlerhaft sind wie jeder von uns. […] Dieses Buch erzählt nicht von der Kriminalität, sondern von der Hilfsbedürftigkeit. Es will keinen Schuldigen darstellen, sondern nur Menschen, die sich in entscheidenden Augenblicken falsch verhalten.” (S. 223f.)

Dies sollte genügen, um einen kleinen Anreiz zu bieten, für Jung oder Alt, das Buch zu lesen. All diejenigen, die das Buch schon kennen, sind herzlich willkommen, mir ihre Gedanken dazu aufzuschreiben.

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