Den Mund zu voll…

…genommen, so scheint es, haben die Autoren Moennighoff und Meyer-Krentler – zumindest wenn man aus der Perspektive eines bereits maturierten Studierenden auf das vorliegende Werk blickt. Auf ca. 140 Seiten versuchen die beiden Autoren den Studenten von heute das literaturwissenschaftliche Arbeiten näher zu bringen. Alles worum es sich im Grunde dreht ist die Anfertigung einer Hausarbeit, samt Recherche für Literatur, samt Literaturtipps sowie Zitationsregeln, usw., usf. Die einzelnen Kapitel gehen recht fließend ineinander über. Für den totalen Anfänger oder als oberflächliches Nachschlagewerk ist das Buch durchaus zu empfehlen. Störend bleiben jedoch z. B. die vielen Platzhalter in Form von (wie die Autoren dachten – passenden) Zitaten zu den einzelnen Themengebieten. 16 verschiedene Kapitel sollen dem Studierenden der Literaturwissenschaft den Einstieg ein bisschen erleichtern. Bis auf eine handvoll Internetadressen habe ich das Gros der Informationen bereits in meinem einführenden Proseminar 1 erhalten, somit verfüge ich über Mitschriften, die denselben Informationsgehalt vermitteln.

Das Schlimme daran ist, dass die Autoren für die Gestaltung einer wissenschaftlichen Hausarbeit Tipps geben, die sie selbst nicht bei der Abfassung ihres Ratgebers beachtet zu haben scheinen. Ein Beispiel: Bei der Anzahl der Seiten einer Hausarbeit, solle darauf geachtet werden, diese nicht künstlich durch layouttechnische Tricks aufzuplustern, bzw. auch vom Text her ein gewisser Umfang nicht überschritten werden. Wie schaut es nun in diesem Ratgeber aus? Die Zitatet sind mehr oder weniger gewinnbringend am Ende eines Absatzes oder eines Kapitels eingefügt. Sind sie zu lang, ist die Seite zu kurz… könnte man, an einen Werbeslogan angelehnt formulieren. Ernsthaft – es entstehen dadurch immens viele Leerstellen, die, wenn man sie streichen würde, und nicht etwa versucht hätte, die Zitate nicht unbedingt am Stück abzudrucken (seltsamerweise geschieht dies nicht stringent immer und bei jedem der Zitate), so wäre man in der Lage gewesen, behaupte ich, und “könnte” ich wohl auch nachweisen wenn es darauf ankäme, gut und gerne 15 bis 20 Seiten weniger zu drucken. Dieses Buch ist demnach unvergleichlich aufgeplustert. Ebenso beginnt jedes Kapitel auf einer “neuen” Seite, ganz gleich wie viel Platz auf der vorhergehenden Seite gewesen ist. Zudem beginnt ein Kapitel jeweils auf etwas weniger als dem ersten Drittel der Seite. Rechnet man im Kopf hoch, und hat 16 Kapitel, die jeweils knapp 1/3 einer Seite verschwenden, kommt man erneut auf ca. 5 Seiten, die eingespart werden könnten.

Ich formulierte zu Beginn, dass dieser Ratgeber für Anfänger geeignet sei – dies ist er wirklich. So viel ich auch kritisiert habe, ist in diesem Buch sehr kompakt eine Menge hilfreicher Informationen zusammengetragen. Doch nach kleinem Lob einen erneuten Hinweis an die Autoren, den Titel ihres Ratgebers betreffend – er ist schlichtweg irreführend. “Arbeitstechniken Literaturwissenschaft” klingt vollmundiger, als dieser Ratgeber jedoch sein kann. Denn diese Arbeitstechniken betreffen lediglich den Bereich von Studierenden. Wie beispielsweise Arbeitstechniken oder Vorgehensweisen von Bereichen wie der Hermeneutik, der positivistischen oder auch der literatursoziologischen Lehre, usf. ausschauen, darüber wird kein Wort verloren, wenngleich man bei einem derartigen Titel dazu verleitet wird, daran zu denken. Das Buch jedoch war ein Literaturtipp eines Dozenten an meiner Hochschule, vielleicht kann man hinter diesem Tipp dieselben Beweggründe erkennen, die mich eine verhaltene Empfehlung für komplette Anfänger haben aussprechen lassen.

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