Bedeutung und Semantik – Teil 1

Wer sich noch erinnern kann, am 24. April wurde auf Ansichten eines Clowns ein erster einführender Artikel zu Sebastian Löbners Einführung in die Semantik veröffentlicht.

Das erste Kapitel Bedeutung und Semantik werde ich in zwei Schritten an dieser Stelle präsentieren. Teil 1 umfasst die Darstellung der Abschnitte bis einschließlich 1.1.3 Kommunikativer Sinn. Doch nun zum Wesentlichen:

Löbner beginnt zunächst mit einer groben ein Ordnung der Semantik als einem von drei Teilgebieten der Linguistik, nebst Grammatik und Pragmatik. Er weist zurecht darauf hin, dass, wenn man von Bedeutung schreibt oder spricht, man immer die Bedeutung von etwas unterstellt, also einen Bezug in irgendeiner Weise herstellt. Wörter, Phrasen, Sätze, usf., aber auch Handlungen und andere Phänomene gelten als Objekte für eine Bedeutungszuweisung. Die Semantik jedoch befasst sich ausschließlich mit den zuerst genannten, sprachlichen Gebilden. Eine Ausnahme bilden hier lediglich Handlungen in Form von sprachlichen Äußerungen. Der Prozess der Bedeutungszuweisung ist gekoppelt an einen Verstehensprozess (vgl. S. 3).

In Kapitel 1.1 Bedeutungsebenen wird der Begriff von Bedeutung, den Löbner bis dahin vorgetragen hat, in 3 Bedeutungsebenen differenziert. Kapitel 1.1.1 Ausdrucksbedeutung dient der Darstellung der Ebene der Ausdrucksbedeutung. Dazu schreibt Löbner: “Die Bedeutung von Wörtern, Phrasen und Sätzen für sich genommen, das heißt ohne einen konkreten Kontext, in ihrem allgemeinen Sinn, bildet die Ebene von Bedeutung, die im Folgenden Ausdrucksbedeutung genannt wird” (S. 7f., Hervorhebung entfernt). Als sprachlicher Ausdruck gelten einzelne Wörter genauso wie Phrasen (zusammengesetzte Satzteile) und Sätze (vgl. ebd.). Die Bearbeitung der Ausdrucksebene hat zum Ziel, das allgemeine Potenzial des Ausdrucks zu beschreiben (vgl. S. 8). Daran anschließend wird in Kapitel 1.1.2 Äußerungsbedeutung quasi eine Ebene höher angesetzt. Deshalb, weil die Äußerungsbedeutung die Ausdrucksbedeutung einschließt, respektive auf ihr fußt. Die in einem Ausdruck vorhandenen Referenzen (z. B. der Verweis eines Personalpronomens ich auf den jeweiligen Sprecher des Ausdrucks, oder eine bis dahin noch unbestimmte, weil nicht einordenbare, Zeitangabe) werden im Zuge der Ausarbeitung der Äußerungsbedeutung mithilfe des Kontextes, genauer des Äußerungskontextes (ÄK) dingfest gemacht (vgl. S. 8ff.). Die Referenz ist immer auch mit dem Begriff der Wahrheit gekoppelt. Was genau dies bedeutet wird jedoch von Löbner an dieser Stelle nur unzureichend ausgeführt und evtl. an späterer Stelle nachgeholt. Was aber ist ein Äußerungskontext? Löbner schreibt, es sei “die Gesamtheit aller Gegebenheiten, die sich auf Referenz und Wahrheit eines geäußerten Satzes auswirken können” (S. 10). Die wichtigsten von ihnen seien der Sprecher, der Adressat, der Zeitpunkt, der Ort und weitere gegebene relevante Fakten (vgl. ebd.). “Die Äußerungsbedeutung ergibt sich auf der Basis der Ausdrucksbedeutung durch Heranziehung der relevanten Aspekte des ÄK” (S. 11). Die dritte Ebene der Bedeutungen, die in Kapitel 1.1.3 Kommunikativer Sinn erläutert wird, fußt wiederum auf der zweiten und somit auch auf der ersten. Löbner argumentiert deshalb, dass die dritte Ebene, die dem Bereich der Pragmatik zugeschrieben werden kann, als Begründung dafür herhalten kann, dass die Pragmatik auf der Semantik aufbaut. Der erwähnte kommunikative Sinn wird mithilfe der Sprechakttheorie ermittelt (vgl. S. 12f.). Begründer der Sprechakttheorie ist John L. Austin (1911-1960) über dessen Sprechakttheorie in Teilen bereits auf Ansichten eines Clowns referiert wurde.

Löbner geht nur recht kurz auf den Unterschied ein, der in der Sprechakttheorie z. B. zwischen lokutionärem und illokutionärem Akt gemacht wird (es gibt darüber hinaus noch den perlokutionären Akt). Der lokutionäre Akt umfasst die bloße Äußerung des Aktes, der illokutionäre Akt hingegen wird immer ausgeführt, wenn man den lokutionären Akt ausführt (vgl. S. 12). Mit ihm stellt dieselbe Äußerung einen gewissen Sprechakt dar: “eine Mitteilung, eine Frage, eine Bitte, ein Versprechen, eine Ablehnung, eine Bestätigung, eine Warnung, usw.” (ebd.).

Am Ende von Kapitel 1.1.3 fasst Löbner noch ein Mal vorläufig zusammen, was wir bis dato unter Semantik verstehen können. “Die Semantik ist die Wissenschaft von der Bedeutung einfacher oder zusammengesetzter sprachlicher Ausdrücke, die losgelöst von jedem konkreten Äußerungskontext für sich genommen werden. Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit dem Zusammenhang zwischen Bedeutung, die ein Ausdruck annimmt, wenn er in einem konkreten Äußerungskontext verwendet wird” (S. 13).

Löbner, Sebastian, 2003: Semantik. Eine Einführung. - Berlin u. New York: de Gruyter.

Leave a Reply