Kunst und Authentizität

Kunst und Authentizität lautet die Überschrift des 3ten Kapitels in Nelson Goodmans Monographie Sprachen der Kunst. Dieses Kapitel Abschnitt dient in meinen Augen im Wesentlichen dazu, eine Grundlage zu schaffen, für die folgenden Gedanken über Symbolsysteme. Unsere Gedanken werden gezielt von Goodman hinter die Kulissen von normalen Verstehensvorgängen geführt, um sie uns gewahr werden zu lassen.

Im ersten Abschnitt des Kapitels Die perfekte Fälschung (vgl. S. 101-104) versucht Goodman dem Leser die Gründe für die Unterscheidbarkeit, aber auch für die Unterscheidung von Original und Fälschung zu erklären. Er stellt vor allen Dingen fest, dass es zum Teil keine praktisch wahrnehmbaren Unterschiede zwischen Original und Fälschung gibt, wohl aber eine Menge gedachter Unterschiede. Er wirft die Frage auf, was denn die Unterscheidung von Original und Fälschung legitimiert, wenn mittels bloßen Anschauens keine Unterschiede gemacht werden können. Im 2ten Abschnitt Die Antwort (vgl. S. 104-112) gibt er dem Leser einige Indizien an die Hand, die zur Beantwortung der Frage dienen können. Die Unterscheidungsfähigkeit, meint Goodman, hängt von Erfahrung und Erfahrungswerten ab. Sie sei zudem erlernbar, und in dem Sinne auch eine Konvention. Borudieu würde an dieser Stelle vielleicht mit dem inkorporierten Habitus argumentieren. Es gibt also auf jeden Fall Unterschiede in der Wahrnehmung, selbst wenn sie nicht erkennbar sind oder gar nicht vorhanden, bloß auf der Grundlage des Wissens, das jemandem zur Unterscheidung dient. Vorderhand dienen die minimalsten Unterschiede zur Legitimation der Unterscheidung von Original und Fälschung, jedoch beruht ein solches Urteil meist auf anderen Kriterien, als denen der bloßen Wahrnehmung.

Im 3ten Abschnitt Nicht zu fälschen (vgl. S. 112-115) geht Goodman auf ein Unterscheidungsmerkmal verschiedener Künste, dem Aspekt der Fälschbarkeit eines in ihr erzeugten Kunstwerks, ein. Er führt zwei kategoriale Attribute ein, die er wie folgt definiert: “Wir wollen ein Kunstwerk autographisch nennen dann und nur dann, wenn der Unterschied zwischen dem Original und einer Fälschung von ihm bedeutsam ist” (S. 113). Im anderen Fall, der das Inverse zu autographisch darstellt, benutzt Goodman den Begriff allographisch. Weiterhin nennt er zwei weitere Attribute, die die Unterscheidung von Künsten vereinfachen; es gibt einphasige und zweiphasige Künste. Was dies nun genau bedeutet, sei an dieser Stelle nicht weiter erläutert.

Goodman möchte gerne heraus arbeiten, wann Künste autographisch sind und wann sie es nicht sind. Im 4ten Abschnitt Der Grund (vgl. S. 115-121) geht er näher darauf ein, kommt aber am Ende eher auf allographische Künste zu sprechen. Diese sind es nämlich, die über ein Notationssystem verfügen, was eine gleichwertige Reproduktion ermöglicht, und daher die Möglichkeit nicht besteht, von einer Fälschung zu sprechen. Goodman führt an dieser Stelle mit der Phrase Selbigkeit des Buchstabierens bereits einen Aspekt ein, den er im nächsten Kapitel mit Disjunktheit bezeichnen wird. Die Verwendung einer Notation schließt den Sachverhalt mit ein, dass es einen Test gibt, der eindeutig über die Echtheit des Kunstwerks entscheidet. Die letzten skizzierten Eigenschaften treffen auf allographische Künste zu. Diese verfügen über eine Notation und über einen entsprechenden Test. Dementsprechend kann bei der Überprüfung von Authetizität solcher allographischer Kunstwerke die Entstehungsgeschichte vernachlässigt werden.

Im letzten Abschnitt des Kapitels, Eine Aufgabe (vgl. S. 121f.), stellt Goodman fest, dass “jetzt eine grundlegende und gründliche Untersuchung des Wesens und der Funktion der Notation in den Künsten” (S. 122) erforderlich ist. Geschehen würde dies in den nächsten zwei Kapiteln in seinem Buch. Damit sei dem Leser an dieser Stelle auch ein Ausblick gegeben, auf das, was noch auf ihn zukommt.

Goodman, Nelson, 1997: Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie. - Frankfurt am Main: Suhrkamp.

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