Ausdrucksbeziehung: Ein Unterschied im Gebiet?! und in der Richtung!

Wir hatten uns am 10. Mai zuletzt mit Nelson Goodman auseinander gesetzt. Jetzt wird es aber langsam wieder Zeit, in die Thematik einzusteigen, da das Seminar weitergeht. Streng genommen ist diese Thematik schon in einer Seminarsitzung abgehandelt worden, ich werde sie aber, der Ordnung halber und für meine eigene Vorbereitung auf die Sitzung morgen, nicht einfach ad acta legen können, ehe ich nicht ein wenig darüber geschrieben habe. Das zweite Kapitel in Goodmans Buch Sprachen der Kunst ist überschrieben mit Der Klang der Bilder. Die ersten beiden Abschnitte in diesem Kapitel leiten die Diskussion über den Begriff “Ausdruck” ein und führen gleichzeitig eine neue Form der Bezugnahme, die Exemplifikation.

Die Abschnitte sind überschrieben mit 1) Ein Unterschied im Gebiet und 2) Ein Unterschied in der Richtung. Die erste Unterscheidung, die Goodman zwischen den Begriffen Repräsentation und Ausdruck macht, ist die im Gebiet. Allerdings ist dieser Unterscheidung lediglich vorläufiger Natur und wird wohl später aufgelöst werden. Zunächst sollten wir aber trotz allem, der Vollständigkeit halber, festhalten, dass Repräsentation sich auf Gegenstände und Ereignisse bezieht. Ausdruck hingegen nimmt Bezug auf Gefühle oder andere Eigenschaften. Es herrscht außerdem keine kausale Beziehung zwischen dem Ausdruck und

“dem, was zum Ausdruck gebracht wird” (S. 54).

Überdies muss ein Gefühl oder eine Eigenschaft nicht darüber charakterisiert sein, dass sie beim Empfänger etwas auslöst, geschweige denn, dass dies mit dem zum Ausdruck gebrachten übereinstimmen muss (vgl. S. 55).

Der zweite Unterschied, den Goodman zwischen Repräsentation und Ausdruck eröffnet, ist ein Unterschied in der Richtung. Während ein Bild Bezug nimmt auf etwas, das es repräsentiert und Goodman diesem Vorgang das Etikett Denotation zuweist, geht die Bezugnahme beim Ausdruck genau umgekehrt vonstatten. Das zum Ausdruck Gebrachte nimmt Bezug auf den Ausdruck. Diesem Vorgang weist Goodman das Etikett Exemplifikation zu, und ähnlich wie bei der Denotation gilt noch folgendes zu beachten: “Nicht jede Exemplifikation ist Ausdruck, aber jeder Ausdruck ist Exemplifikation” (S. 59).

Goodman, Nelson, 1997: Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie. - Frankfurt am Main: Suhrkamp.

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