Realismus ist …

… vor dem Hintergrund dessen, was wir bereits über die Inhalte von Goodmans Sprachen der Kunst wissen, nicht über Ähnlichkeit konstituiert. Und so stellt Goodman zu Beginn des 8ten Abschnitts Realismus im ersten Kapitel seines Buches zurecht die Frage: “Wenn Ähnlichkeit nicht das Kriterium ist, was dann?” (S. 42). Im Folgenden versucht Goodman darauf eine Antwort zu finden. Zunächst bringt er vor, dass der Aspekt der Täuschung ein Kriterium für Realismus sein könnte, verwirft dies jedoch wieder. Denn was “uns täuscht, […] variiert mit Interessen und Gewohnheiten” (S. 43). Schließlich ist Täuschung für Goodman am Ende allerhöchstens ein “Anzeichen für Zauberkunst” (ebd.).

Weiterhin versucht es Goodman mit dem Argument, dass man unterstellen könnte, “das realistischste Bild sei jenes, das den größten Betrag an sachdienlicher Information liefert” (S. 44). Doch auch dieser Aspekt wird von ihm verworfen, denn offenbar “können realistische und unrealistische Bilder gleich informativ sein” (ebd.). Den eben geschilderten Aspekt schreibt er dem Begriff der Treue zu und differenziert nun doch, anders als zu Beginn, zwischen Treue und Realismus. Es ist an dieser Stelle nur noch Tautologie festzuhalten, dass Treue “keine hinreichende Bedingung für […] Realismus” (ebd.) darstellt. Es folgt ein kurzes Plädoyer Goodmans für die Position Realismus sei relativ (vgl. S. 44f.). Der Schluss lässt sich für Goodman mit der Leichtigkeit der Entschlüsselung der Bilder begründen. Ist der Modus der Repräsentation stereotyp, sind die Etiketten und ihre Verwendung gebräuchlich, erscheinen sie uns realistisch (vgl. S. 45).

Realismus “wird durch das Repräsentationssystem festgelegt, das für eine gegebene Kultur oder Person zu einer gegebenen Zeit die Norm ist. Neuere, ältere oder fremde Systeme hält man für unnatürlich oder ungeschickt” (ebd.). In einem Zitat, dass ich an dieser Stelle noch anbringen möchte, fasst Goodman die Erkenntnisse, die er bisher versucht hat zu verdeutlichen, auf eine nicht unmittelbare und doch verständliche Weise zusammen. Im gesetzt den Fall, die Leser haben alles bis hierhin verfolgt und das Buch Goodmans selbst gelesen, wird man verstehen, was Goodman meint, wenn er schreibt: “Wenn Repräsentation eine Frage der Wahl ist und Korrektheit eine Frage der Information, dann is Realismus eine Frage der Gewohnheit” (S. 47).

Goodman, Nelson, 1997: Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie. - Frankfurt am Main: Suhrkamp.

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