1848 und die zwei Teile des Marxschen Manifests

Long time no see, würde der Brite sagen. Immerhin habe ich das Taschenbuch von Iring Fetscher Marx, lange Zeit nicht weiter bearbeitet. Das lag unter anderem daran, dass sich andere Dinge in ihrer Priorität vorweg gestellt hatten. Die Überschrift meines Eintrags beschreibt nun in etwa, worum es im 8ten Kapitel von Fetschers Buch geht. Und zwar beschreibt Fetscher zum Einen kurz die Situation in Deutschland und Teilen Europas im Jahre 1848 und geht dann ausführlicher auf den Inhalt des Kommunistischen Manifests ein, welches vor allem von Marx, aber auch von Engels ausgearbeitet worden war. Anfang Juni 1848 gründete Marx mit einigen Zeitgenossen, darunter auch Friedrich Engels, die Neue Rheinische Zeitung, die vor allem auch eine recht vielschichtige, man kann sagen europäische Sichtweise präsentierte, wenn es um Berichterstattung ging. Nie wurden bloß die Probleme innerhalb Deutschlands, sondern immer auch außerhalb des Landes betrachtet (vgl. S. 77f.).

Das Kommunistische Manifest nun, zeichnet sich besonders dadurch aus, dass es zunächst einen einleitenden Teil präsentiert, der – so abwegig es zunächst klingen mag – die Dynamik des Kapitalismus betont und in Zügen sogar lobt. Fetscher wählt hier die Worte “Hymnus auf die gewaltige Dynamik der bürgerlichen Produktionsweise” (vgl. S. 78-82). Der erste Teil des Manifests endet dann jedoch mit der Feststellung, dass das kapitalistische Prinzip bereits zur Zeit Marx’ in Teilen an seine Grenzen stößt und sich – bildlich gesprochen – sein eigenes Grab schaufelt. “Im zweiten Teil skizziert Marx die Funktion der Kommunisten (der Partei) gegenüber den Proletariern” (S. 82). Marx nimmt sich einzeln Kritikpunkten am System des Kommunismus vor und versucht diese zu entkräftigen. Der Mythos, die Kommunisten wollten das Eigentum abschaffen, wäre nicht haltbar. “Es geht […] nur um die Aufhebung des Privateigentums an den großen Produktionsmitteln” (S. 83).

Marx ist es wichtig, dass begriffen werde, dass alle am Produktionsprozess beteiligt sind und dass einige wenige Produktionsmittelbesitzer nicht dazu in der Lage sein sollten, viele andere in eine Abhängigkeit stürzen zu können und sie auszubeuten. So ist denn das Ziel, den Besitz an Produktionsmitteln nicht mehr zu ermöglichen, die angestrebte Lösung in diesem Problem. Es gibt ähnliche Mythen, die Marx versucht aufzulösen, auf die an dieser Stelle aber nicht mehr explizit verwiesen werden soll. Wichtig scheint mir zu erwähnen, dass das Kommunistische Manifest in Deutschland zu dieser Zeit der europäischen Revolutionen kaum gelesen werden konnte. Stattdessen hat – quasi eine abgespeckte Version des Manifests – eine Art Punkteplan, in Form eines Flugblatts, die Ziele der Kommunistischen Partei in Deutschland zusammengefasst dargestellt. Interessant ist hier überdies, dass von den dort aufgestellten 17 Forderungen, weniger als die Hälfte wirklich als sozialistisch und kommunistisch angesehen werden können (vgl. insb. S. 86f.). Auch an dieser Stelle fällt auf, dass viele der idealistischen Ziele Marx’ nicht unmittelbar mit schließlich praktizierten Formen, die als Marxismus oder Leninismus bezeichnet wurden, gleichgesetzt werden dürfen.

Fetscher, Iring, 1999: Marx. Originalausgabe, Freiburg u. a.: Herder

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