Forza Italia?! – Verkehrte faschistische (Fußball-)Welt

Die Bayern sind gestern Abend aus der Champions League ausgeschieden, das kann man als guter Verlierer, wenn auch mit einem weinenden Auge verschmerzen. Doch was in Italien kocht und brodelt ist nicht mehr normal und schon gar nicht akzeptabel. Nicht nur in der NZ wurde darüber berichtet, wie die Tifosi, die Inter Mailand-Fans, den gegnerischen Strafraum nach der 73ten Minute im Spiel Inter gegen AC Mailand zu einem Schlachtfeld von Feuerwerkskörpern gemacht haben. Weitere Bilder des Skandalspiels finden sich u. a. bei Spiegel-Online.

Zunächst: Ihr seid schlechte Verlierer! Und dann: Wo soll das hinführen. Wer sich nicht für Fußball interessiert wird vielleicht nur am Rande oder überhaupt nicht mitbekommen haben, inwieweit es vermehrt zu Ausschreitungen bei Fußballspielen in Italien oder in Europa mit italienischer Beteiligung gekommen war. Italien ist – nationalökonomisches Licht darauf geworfen – armes Land, die Frauen werden mit der Kindeserziehung weitestgehend alleine gelassen und die EU diskutiert über den Beitritt der Türkei. Sollte man den Austritt Italiens fordern? Nicht genug, welch grotesken Auftritte sich die Staatsvertreter Italiens, allen voran der Präsident des Landes, Silvio Berlusconi, leisten und vor allem immer wieder deutsche Parlamentarier angreifen und diffamieren. Ist das Taktik? Will man damit von den Verhältnissen im eigenen Land ablenken?

Ein italienischer Spieler dieses Clubs, Paolo Di Canio, salutiert Anfang Januar mit Hitlergruß vor den Fans des eigenen Clubs, Lazio Rom (vgl. BBV). Er wurde mit einer Geldstrafe in Höhe von 10.000€ belegt, die ihn dank der horrenden Gehälter, die in Italien gezahlt werden, wenig stören wird. Di Canio selbst sah seinen ausgestreckten, rechten Arm nicht als faschistischen Gruß an (sieh e Foto im BBV-Artikel). Doch die Tätowierung, die auf selbigem prangert – man liest auf seinem Arm lateinisch DUX (=Führer) -, spricht eine andere Sprache. Letzten Sonntag dann schwangen die Fans von Lazio bei einem Heimspiel Fahnen mit Nazi-Symbolen (siehe Foto im FAZ-Artikel) darauf und huldigten Mussolini (vgl. FAZ).

Doch damit noch nicht genug, denn: “Insgesamt hatte es am Sonntag in verschiedenen Arenen Ausschreitungen gegeben, die zu 17 Festnahmen führten. 259 Randalierer wurden angezeigt, 85 Polizisten wurden verletzt, berichtete Pisanu [ital. Innenminister, A.T.]” (ebd.). Die Situation ist also kein römisches, sondern ein italienisches Problem. “Sogar die Schweigeminute für den Papst wurde von faschistischen Gesängen unterbrochen. ‘Duce, Duce!’, riefen die Tifosi dem Lazio-Präsidenten Claudio Lotito zu, als er nach dem Sieg die Fans grüßte” (ebd.). Wie finanziell traumtänzerisch z. B. der Club Lazio-Rom mit seinen Ressourcen umgegangen ist, zeigt die Tatsache, dass er bereits im letzten Jahr vor einer Insolvenz gerettet werden musste und nur ein italienisches Sondergesetz es ermöglichte, dass der Club noch eine Lizenz erhalten hat (vgl. dazu N-TV). Die EU will notfalls gerichtlich dagegen vorgehen. Wie gut (oder schlecht) die Fans von Lazio mit dem drohenden und gerechtfertigten Aus ihres Vereins umgehen können, zeigt sich z. B. darin, dass 3000 Anhänger vor der römischen Finanzbehörde randalierten und es ebenfalls Verletzte gab (vgl. ebd.). Im September letzten Jahres – und dies nicht zuerst und vor allem nicht zuletzt – hatten auch die Anhänger des anderen römischen Serie A-Fußballclubs, AS Rom, um sich reden gemacht, als sie Schiedsrichter Anders Frisk aus Schweden, in einer Championsleague-Partie gegen Kiew, mit Gegenständen bewarfen und dieser eine Platzwunde am Kopf davon trug (vgl. NZ. Der Club, der zu dieser Zeit von Rudi Völler trainiert wurde, musste wegen dieses Skandals lediglich zwei Mal vor leeren Rängen spielen (vgl. NZ). Damit noch nicht genug, kommt es im Januar 2005 zur sechsten Stadionsperre binnen eines Jahres für den AS Rom (vgl. NZ).

Sind diese Ausschreitungen und faschistoiden Züge im italienischen Fußball neu? Nein, keineswegs. Schauen wir z. B. 4 Jahre zurück und werden u. a. beim damaligen italienischen Erstligaclub Hellas Verona fündig. “‘Einen Farbigen kann ich wegen dieser Fans nicht holen’, erklärte [damals] Veronas Präsident Giambattista Pastorello in einem Fernseh-Interview, als er auf die mögliche Verpflichtung des farbigen Fußballers Patrick Mboma vom AC Parma angesprochen wurde” (NZ). Radikale Ansichten zeigten auch die Fans des AC-Turin, im Oktober 2001, als sie mit Bin-Laden-Spruchbändern agieren (vgl. NZ). Vor dem heutigen Rückspiel in der Championsleague zwischen Inter Mailand und dem FC-Liverpool hat der Mailänder Fußballclub sogar “Angst vor den eigenen Fans” (vgl. Sport-Bild).

Diese Angst ist nicht unbegründet, denn ebenfalls 2001 kam es zu blutigen Auseinandersetzungen, die davor bereits 1984, die Mentalität der Rom-Anhänger als besonders schlechte Verlierer zeigte (vgl. NZ). Es gibt genug weitere Beispiele für das extrem radikale und brutale Verhalten speziellitalienischer Fußballfans. Andere europäische Länder können sich zum Teil auch nicht mit engelsgleichen Fußballanhängern rühmen, doch gerade die faschistoiden und zum Teil derart brutalen Züge sollten, da sie kein Einzelfall geblieben sind, Anlass genug sein, dem notwendigen Handlungsbedarf auch Taten folgen zu lassen. Der Fußball in Italien hat eine durchaus politische Dimension erreicht und die monopolistische Stellung Italiens Regierungschefs Silvio Berlusconi sollte überall in Europa nicht nur die Alarmsirenen klingeln lassen.

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