Bitte nur von Leuten zu lesen, die “zu viel Zeit” haben!

So habe ich Mitte 2002 einige Worte von mir übertitelt, die ich den damaligen KollegInnen im Haus Lindscheid, der Abteilung für Drogenlangzeittherapie der Psychosomatischen Klinik in Bergisch Gladbach, nach einem Nachtdienst als dort angestellter studentischer Pflegehelfer mit ins Übergabebuch gelegt habe. 🙂 Anbei folgt für alle Interessierten, der, wie ich finde, zum Teil satirische Text.

Jetzt sitze ich hier, getrieben von diesem Übel und schreibe für jeden, den es interessiert, auf, welche Geister mich hierzu getrieben haben. Ein Teufelskreis quasi… Jeder von euch kennt die Situation, wenn auch nicht zu dieser späten Stunde. Beendet ist der nächtliche Rundgang, brav haben sich die Patienten auf ihre Zimmer zurück gezogen und man versucht noch ein wenig Konzentration zu erhaschen, ein paar Dinge zu erledigen, für die man meint, eben noch genug Zeit zu haben.

Für mich bedeutet das: Ich setze mich – die Gehirnzellen in höchstes Anspannung – an die Lösung einer Matheaufgabe, die zu rechnen ich zuhause nicht mehr geschafft habe, und auf dessen Ergebnis ich bis morgen nicht noch warten will. Den Kugelschreiber in der Linken, den Taschenrechner in Reichweite der Rechten und den Blick auf das Blatt Papier gerichtet, kommt das gnadenlos unheilvolle Geräusch immer näher an meine Ohren heran. Mücken sind gemein, aber selbst mit den Resten eines Notizblocks noch klein zu kriegen, Motten sind (für manche Zeitgenossen wie mich) angsteinflössend, aber auszuhalten, wenn sie sich neben einer Lampfe zur Nachtruhe betten und mich fortan in Ruhe lassen. Nervig jedoch sind Fliegen – in dieser Nacht sollte es nur eine Fliege sein, die mir die Konzentration stahl, mir den Verstand raubte und mein Antrieb wurde, diesen Text zu schreiben.

Man hält es kaum für möglich, man sitzt allein in einem so großen Zimmer von gut 20 m², hat peinlich darauf geachtet, die Fenster nach der Übergabe im Teamraum zu schließen und das Licht erst anzuschalten, wenn man auch wirklich drin ist und die Tür schon längst wieder verschlossen hat. Einen Weg muss diese Fliege trotzdem gefunden haben, in unser Heiligstes einzudringen. Beim ersten Anflug wehr man sie noch mit einer eleganten Handbewegung ab, beim langsamen Näherkommen auf dem Tisch pustet man sie dezent in eine andere Ecke des Raumes, doch irgendwann stellt man sich die Frage, ob das Insekt sich gar in mich verliebt hat? Ich komme aus dem Pusten und Fuchteln gar nicht mehr raus. Ich stelle mir ernsthaft die Frage, warum die Fliege, da sie doch so viel Raum hat, gerade immer dorthin fliegen muss, wo ich mich aufhalte? Wenn ich nicht gar schon so müde wäre vom Kampf mit dem Insekt, würde ich eine philosophische Abhandlung über jenes immer wiederkehrende Ereignis schreiben wollen, oder sogar müssen?!

Sei’s drum, Brüder und Schwestern Nachtwachen und liebe Kollegen und Kolleginnen vom Tagdienst, wenn ihr diese Zeilen lest, seid auch ihr bestimmt schon Zeuge von der Dreistigkeit des Musca domestica, allgemein auch als Stubenfliege bekannt, heimgesucht worden. In diesem Sinne, auf in den Kampf.

2 Comments

  1. In Wien haben wir dafür die allbekannte und bewährte Fliegenklatsche.
    Aber ich arbeite nicht in der Psychiatrie… ;))))

  2. Mh, ich hab von zuhause nie ne Fliegenklatsche mitgenommen und solch einen Luxus wollten die sich dort nicht gönnen. Falls ich irgendwann noch mal in so nem Laden anfange und Nachtdienste in Sommermonaten habe, sollte ich dran denken, mir das hinter die Ohren zu schreiben. Am besten, man hat immer eine dabei. 😉

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