Syntaktische Kategorien

Wir wollen uns an dieser Stelle mit einem Kapitel aus Peter Eisenbergs Grundriß der deutschen Grammatik von 1994 beschäftigen, das sich mit den syntaktischen Kategorien einer Sprache und ganz speziell der deutschen Sprache befasst. Der (persönliche) Stil Eisenbergs ist auch für Anfänger gut lesbar – trotzdem werden wir bereits in diesem Kapitel mit einer Menge an Informationen konfrontiert, die ich nicht alle explizit präsentieren möchte, sondern mich nur um die Einführung in diese Thematik kümmern.

Eisenberg selbst präsentiert in dem Kapitel 2.1 Syntaktische Kategorien seines Buches ebenfalls nicht alle möglichen Beispiele für derartige Kategorien sondern belässt es bei zentralen Beispielen und führt dafür zumindest alle möglichen Typen von Kategorien ein, die für die Beschreibung der Grammatik des Deutschen wichtig sind. Wenn ich an dieser Stelle von der Grammatik des Deutschen spreche, sollte man vorsichtig sein und diese nicht als universell ansehen. Denn es gibt durchaus eine Vielzahl von verschiedenen Grammatiken und mitunter sogar einige, die sich drastisch von der hier präsentierten unterscheiden. Die Grammatik, die Eisenberg uns präsentiert wird allgemeinhin selbst zum Typ der traditionellen Grammatiken gezählt und steht damit im Unterschied zu vielen anderen Modellen.

Das uns vorliegende Buch gibt es in der Art nicht mehr. Die Grammatik von Eisenberg erscheint mittlerweile in 2 Bänden. Eisenberg, Peter: Grundriß der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort, sowie Band 2: Der Satz. Der uns vorliegende Band ist jedoch evtl. in Bibliotheken oder Antiquariaten vorhanden, und man kann die hier zitierten Stellen dort einsehen. Außerdem dürfte sich diese Thematik inhaltlich sicher auch in dem neuen 2-bändigen Werk von Eisenberg wiederfinden lassen. Das Kapitel 2.1 erstreckt sich im vorliegenden Band über die Seiten 33 bis 44.

Eisenberg beginnt das Kapitel mit der Erörterung des Begriffs Kategorie. Es ist ihm offensichtlich wichtig, dass man nicht zu sehr am Kategoriebegriff aus der Alltagssprache verharrt.

“Unser Begriff von grammatischer Kategorie wird in einer ersten Bestimmung abgegrenzt vom Begriff der Beziehung oder Relation. […] Kategorien sind ein spezieller Fall von Relation in einem technischen Sinne, nämlich die einstellige Relation”

und weiter,

“Kategorien sind Mengenbegriffe. Der Umfang einer Kategorie, ihre Extension, ist eine Menge von Entitäten bestimmter Art. Gewöhnlich haben die Elemente dieser Menge eine bestimmte Eigenschaft gemeinsam. Diese Eigenschaft wird die Bedeutung der Kategorie oder ihre Intension genannt” (S. 33f.).

Uns bleibt zwar noch ein wenig unklar, was mit Kategorie gemeint ist, aber dies Zitat dient uns als ein erster Hinweis. Die Beschreibung von Eisenberg ist an dieser Stelle und ein wenig komprimiert wiedergegeben, noch ein wenig abstrakt. Fassen wir es in eigene Worte. Der Begriff Kategorie meint etwas, dass eine Eigenschaft beschreibt, die einem anderen Begriff zugeordnet werden kann und darüber hinaus auch weiteren Begriffen und allesamt haben sie diese Eigenschaft gemeinsam und können deshalb dieser Kategorie zugeordnet werden.

“Zu den grammatischen Kategorien gehören sicher die Wortarten traditioneller Grammatiken wie Verb, Substantiv, Adjektiv, Adverb, Präposition, Partikel, Konjunktion, Artikel und Pronomen” (S. 34).

Dies sei aber nur nebenbei erwähnt, da Eisenberg später nicht mehr alle diese Kategorien explizit für seine Grammatik verwenden wird. Wie geht er weiter vor? Insgesamt beschreibt er eine Vielzahl von Kategorien, und fasst jeweils eine Menge von Kategorisierungen dann noch zusammen; er bildet nämlich Einheitenkategorien, Paradigmenkategorien und Konstituentenkategorien. Zunächst jedoch zur Erklärung:

“Kategorisierungen sind Mengen von Kategorien” (S. 38).

Mancher Leser mag sich vorkommen wie in der Mathematik, aber da wir uns mit Ordnungsprinzipien befassen, können wir auch davon ausgehen, dass gewisse mathematische Elemente als gedankliche Stütze fungieren. Alle drei Begriffe, der Einheitenkategorie, der Paradigmenkategorie und der Konstituentenkategorie, subsummieren nach Eisenberg sämtliche Kategorien, die es zur Beschreibung der deutschen Grammatik benötigt. Unter Einheitenkategorien fallen sämtlich solche Kategoriebegriffe, die mit der Flexion von Paradigmen zu tun hat. Dies ist neben dem Begriff Wortform, ein weiterer Begriff, den Eisenberg einführt und der beide Male auf etwas referiert, was wir alltagssprachlich unter dem Begriff Wort fassen würden (vgl. S. 35). Wortform bezeichnet eine spezifische Entität eines Paradigmas. Ein Paradigma in diesem speziellen Fall, darf man sich wiederum als eine Vorlagenmatrix denken, die alle möglichen Ausprägungen von Wörtern in sämtlichen seinen Kategorien angibt. Ein Substantiv im Deutschen beispielsweise kann in den Kategorien Singular oder Plural und in einem der Kasus (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ) vorkommen. Das Paradigma eines Substantivs entspräche einer Matrix mit 8 Einträgen (Positionen). Ein Verb im Deutschen hat demgegenüber noch weitaus mehr Kategorien, deren Eigenschaften es annehmen könnte und ein Paradigma eines Verbs im Deutschen hätte nach Eisenberg 144 Positionen (vgl. S. 37). Die Beschreibung dieser Sachverhalte geschieht bei Eisenberg etwas differenzierter, doch denke ich nicht, dass ich an dieser Stelle ähnlich detailliert mit der Thematik umgehen muss.
Eisenberg erläutert außerdem ein Phänomen, das auf Roman Jakobson zurück geht, die so genannte Markiertheit oder Unmarkiertheit von Kategorien der Sprache (vgl. S. 38ff.). Ein Beispiel:

“Wenn das Futur1 (sic!) Zukünftigkeit signalisiert, dann signalisiert das Präsens als unmarkierte Kategorie” (S. 38)

keine Zukünftigkeit. Das Futur 1

“ist in dieser Hinsicht festgelegt” (ebd.),

das Präsens nicht. Derartige Relationen selbst können in Markiertheitsverhältnissen angegeben werden und diese gehen oft (idealerweise) auch auf die Ebene der Sematik und des Gebrauchs der Sprache über – doch dies nur nebenbei.

“Die genaue Erfassung der Markiertheitsverhältnisse für die grammatischen Kategorien einer Sprache ist wegen der phantastischen Reichweite des Markiertheitsbegriffs und der Komplexität des Kategoriengefüges eine schwierige Aufgabe” (S. 39).

Wir haben bislang die Einheitenkategorien besprochen. Zu ihnen kann man noch festhalten, dass sie gewissermaßen die innere Beschaffenheit eines Paradigmas gliedern. Es gibt darüber hinaus Paradigmenkategorien, welche die Paradigmen insgesamt gliedern.

“In erster Näherung kann man zu den Paradigmenkategorien bestimmte Wortartenkategorien und ihre Subklassen zählen” (S. 40).

Man ordnet so z. B. die

“nominalen Paradigmen in die substantivischen (SUBST), adjektivischen (ADJ), pronominalen (PRO) und die der Artikel (ART)” (S. 40f.).

Auf der anderen Seite werden die

“verbalen Paradigmen” in “Vollverben (VV), Hilfsverben (HV), Kopulaverben (KV) und Modalverben (MV)” (S. 41)

gegliedert.

“Die Konjunktionen werden […] in koordinierende (KOR) und subordinierende (SUB) eingeteilt” (ebd.).

Dies sind wieder eine Menge Fakten gewesen, die wir nicht anders als mit einer Menge von Zitaten hier unterbringen konnten. Der letzte Typ von Kategorien, der nach Eisenberg zur Beschreibung des Deutschen dient, sind die so genannten Konstituentenkategorien.

“Konstituentenkategorien sind […] zum Teil das, was traditionell als Wortarten bezeichnet wird, aber auch größere Einheiten fallen unter die Konstituentenkategorien” (S. 41).

Eine Liste der Konstituentenkategorien des Deutschen findet sich bei Eisenberg auf S. 41f.

Wir haben jetzt alle syntaktischen Kategorien angemerkt und dennoch müssen wir noch auf einen zentralen Punkt eingehen, damit wir ein Verständnis dafür kriegen, wozu die Kategorien ihre Berechtigung haben. In den Kategorien fassen wir Mengen von syntaktischen Einheiten zusammen und mit diesen beschreiben wir letztlich die Syntax einer Sprache. Die Kategorien helfen uns bei der Analyse derselben. Es sei an dieser Stelle genug der Rede über syntaktische Kategorien. Als nächstes werde ich mich mit den syntaktischen Strukturen auseinander setzen, welche den syntaktischen Kategorien übergeordnet sind.

Eisenberg, Peter, 1994: Grundriß der deutschen Grammatik. 3., überarbeitete Auflage. Stuttgart u. Weimar: Metzler

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