Einsicht und Nachsicht

Es ist schon erstaunlich, man lernt im Leben immer dazu, hoffentlich jedenfalls – mir geht es jedenfalls ab und an so, dass ich das Gefühl habe, dazu zu lernen. Und trotzdem passiert es immer wieder, dass einen die gewonnenen Einsichten vor neue Probleme stellen. Ich bin in mir selbst ruhiger geworden und habe für mich Dinge auserkoren, die mir wichtig sind. Das schützt mich dennoch nicht davor, dass ich mit Situationen umgehen muss, zumindest zeitweise, die nicht darauf passen.

Es stand am Wochenende in mir drin ein Würfel auf der Kippe, der jetzt nur zu einer anderen Seite gefallen ist – damit ist die Sache aber noch nicht vom Tisch. Es wird wieder ein Tag kommen – hoffentlich nicht -, an dem werden die Würfel geworfen und vielleicht bleiben nicht alle auf dem Tisch liegen und man wird sich neu orientieren müssen. Die eigens produzierten Regeln eröffnen einen gewissen Spielraum, jedoch machen sie manche Situationen auch unmöglich; das ist vielleicht auch gut so, weil man ansonsten total überfordert wäre.

Weiter muss ich sagen, dass sich in der Vergangenheit bereits einige solcher Situationen ereigneten, in denen mindestens einer der Würfel auf Kipp lag und es kostete jedes Mal Kraft, sie auf eine andere Seite zu rollen und die Perspektive zu wechseln, um mit neuem, guten Willen in die nächste Runde zu gehen. Vom jetzigen Standpunkt aus, prospektiv in die Zukunft gesehen, kann aber schon jetzt eines ganz klar festgehalten werden: die Kraft wird nicht auf ewig reichen, die Würfel immer wieder umzudrehen, nur um im Spielverlauf weiter zu gehen. Das wäre immerhin auch so etwas wie Schummeln. Anders ausgedrückt: Langfristig scheint es dann, als würde man sich nicht mit der Wahrheit abfinden wollen, wenn man die Würfel immer wieder umdreht.

Vielleicht ist auch der lustigste Clown einmal traurig, wenn er sich gezwungen sieht, ein neues Spiel zu suchen, das er in der Lage ist, auf Dauer durchzustehen.

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