Kath. Kirche contra Popmusik?

E Nomine patres et filii et spiritus sancti. Übersetzt heißt das aus dem Lateinischen: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Ein hoch heiliger Satz, eine Anhäufung lateinischer Genitive (wer einmal Latein gehabt hat, wird wissen, was ich meine), die gleichzeitig der Musikgruppe “E Nomine” zur Einleitung für ihren neuen Titel in 2000 galt. Vater unser heißt das Meisterwerk an Hohn und Spott für die Kirche? Jedenfalls gab es keine Reaktionen der katholischen Kirche in Deutschland auf dieses Lied. Zumindest keine nennenswerten, die medienwirksam publik gemacht worden wären, andernfalls hätte ich davon Wind bekommen. Ich finde persönlich nicht, dass dieses Lied und andere mehr die Kirche auch nur im Geringsten bloßstellen. Vielmehr glaube ich, dass es der Versuch ist, ein Gebet an den aktuellen Musikgeschmack anzupassen. Mit Beats und Drums eroberten sich E Nomine die Charts im Jahr 2000. Ein Hauch von Gothic und Gruftietum schwingt wohl mit, doch können auch Normalsterbliche sich diesen Titel antun.

In letzter Zeit ist es jedoch häufiger in der Musikwelt vorgekommen, dass man sich der sakralen Symbole der Kirche bedient hat. Wie viele DJs haben jetzt den obersten Führer “Gott” in ihre Techno- und Trancestücke aufgenommen? Noch kann man sie an 2 Händen abzählen, doch wenn das so weiter geht, erlebt der Katholizismus noch ein Revival unter Scooter und seinen 12 Ravern. Der Hype, der entstanden ist, wird vielleicht genauso gut bald wieder abgeebbt sein und es wird niemanden mehr stören, dass wir eine kurze Phase der Buße in unseren Discogängen vorgefunden haben. Wenn es Gottes Wille war, dann ist das Volk auf Erden zu leise und dann muss selbst er noch die Tanzschuhe auspacken und zu der Musik seines hofeigenen Engelsdjs die Hufe schwingen. So ähnlich hört es sich an, in einem Lied, das Gott tanzen lässt. Aber auch umgekehrt funktioniert es. Gott befiehlt uns, seinen Dienern, zu tanzen. Gott spricht und wir tun, so war es schon immer, so ist es auch heute. Zumindest wenn es nach einigen Technojüngern geht. Ein Problem bei der Sache ist die Auseinandersetzung mit dem Inhalt. Mit großer, wenngleich subjektiver Sicherheit kann ich sagen, dass keiner der Liedtexter sich Gedanken um den Text gemacht hat. Was für eine Wirkung er auf die Leute haben könnte; doch das ist in unserer heutigen Welt so. Ein Medienhype wird rigoros ausgeschlachtet. Wenn Aquagen noch einen Versuch gestartet hat, bedienten sich Scharen anderer DJs und Bands dieser Idee und schlachteten sie aus. Die Lieder hören sich “ähnlich” an. Der Text variiert oft nur in der Sichtweise der Person, die ihn darzustellen hat. Ist es nun Gott der zu uns spricht, oder sprechen wir zu ihm? Vielleicht auch Gott zu seinem eigenen DJ und der DJ zu Gott? Ich fand es zur Halbzeit 2000 jedenfalls ziemlich lächerlich, wie wenig einfallsreich sich einige Musikusse zeigten und einen Abklatsch nach dem anderen produzierten.

Trotzdem: Die Geschichte der Schöpfung gerät in ein völlig neues Licht, jetzt wo wir wissen, dass Gott nicht das Licht sondern die Musik am siebenten Tage erschallen ließ. Vielleicht finden wir evolutionstheoretisch Geschädigten ja in solch einer Musik die Vision von da oben, wer weiß. Wieso sich die Kirche noch nicht lauthals beschwert hat, ist für mich allerdings mehr als nur ein Wunder. Wer im zwanzigsten Jahrhundert seinen Jüngern befiehlt die Schwangerschaftsberatung auszusetzen und als Papst Schwierigkeiten hat, endlich seine verdiente Ruhe zu finden, der hätte ja jetzt einen Grund gefunden sich zu rechtfertigen. Denn wahrscheinlich ist dem Teufel die Musik auf Erden zu weich und er wird den Johannes erst zu sich ins Exil holen, wenn man die Beats gen Hölle schickt. Doch auch darüber seid unbesorgt, denn die Kunsteuphoriker anno 2000 haben uns das Ende der Welt beschert, sie ließen den Teufel tanzen…

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