Mannesmann contra Vodafone, oder die Schlacht der Werbekünstler

Einfach ist das Prinzip der freien, sich selbst regulierenden Marktwirtschaft freilich nicht. Da ist mit Mannesmann ein umsatzstarker Konzern zugegen, der sich bei seinen Aktionären bester Beliebtheit erfreut und darüber hinaus hat der Konzern in den letzten Monaten seine Kapitalerträge dazu genutzt einige Firmen aufzukaufen, von denen man sich einen Gewinnzuwachs erhofft hatte. Das Unternehmen blüht, es gibt keinerlei Grund zur Besorgnis. Aber eines schönen Tages kommt ein anderes Unternehmen daher, das kapitalstärker ist als Mannesmann und von sich behauptet, im Gegensatz zu Mannesmann ein Unternehmen zu sein, welches Weltpolitik und -handel gleichermaßen betreibe. Hierzulande hatte noch keiner was von dem Unternehmen gehört, wenn er sich nicht in der Wirtschaftslandschaft gut ausgekannt hat. Just offeriert Vodafone doch Mannesmann ein Übernahmeangebot. Die Reaktion der Führung bei Mannesmann ist gleichermaßen verständlich wie unverständlich.

Verständlich ist sie insofern, als dass kein Unternehmen sich freiwillig von einem anderen Unternehmen aufkaufen lassen möchte, vor allem nicht, wenn es riesige Zukunftschancen hat und schon heute ein großes Wachstum verbuchen konnte. Außerdem möchte man den Gewinn nicht teilen und wie es heißt, keine Arbeitsplätze abbauen, die bei einer „feindlichen Übernahme“ mit Sicherheit verloren gehen würden. Nun, es kam wie es kommen musste. Das Übernahmeangebot wurde kartellrechtlich überprüft und für lupenrein befunden. Ergo trat Vodafone mit dem Angebot an Mannesmann heran. Was tut aber nun eine Firma wie Mannesmann, beziehungsweise ihr Vorstand, wenn das Unternehmen zu mehr als 50% den Aktionären veräußert wurde und man von einer anderen “aggressiv handelnden” Firma ein Angebot zum Aktientausch erhält? Auf den ersten Blick erscheint die Antwort nicht so eindeutig. Doch der Vorstand von Mannesmann macht Dampf. Jede Menge Dampf sogar. Und zwar Dampf in den Medien. Für Fernsehauftritte in Nachrichtensendungen kann freilich keiner etwas, dass ist nicht gewollt und passiert trotzdem. Nun aber zu der Art von medienwirksamer Arbeit, die der Vorstand beeinflussen kann, die Werbung! Werbespots im Fernsehen, in Magazinen und Tageszeitungen werden gesendet und geschaltet und alles nur, um die Aktionäre davon zu überzeugen, nicht innerhalb der gesetzten Frist ihre Aktien umtauschen zu wollen. Vodafone auf der anderen Seite tut nicht weniger die Geschicke lenken und bläst ebenfalls zum Angriff in der Werbetrommel. Die Zielgruppen scheinen bei beiden Unternehmen jedoch verschieden zu sein. Wird den sich zu entscheidenden Aktionären von Mannesmann ein Säugling mit diversen Armreifen im Stile von Wolfgang Petry-Freundschaftsbändern vor Augen geführt, welche die verschiedenen Subunternehmen von Mannesmann darstellen, so präsentiert Vodafone den noch Unentschlossenen vorläufig nur Bilder von älteren Leuten in mehr oder minder freudiger Stimmung, die eher an Werbung für Altenwohnheime erinnert als an die Bitte, doch eben den Aktientausch durchzuführen.

Wo sich von Tag zu Tag andere ältere Leute die Klinke in die Hand drücken, bleibt bei Mannesmann nur das Baby im Blick, das demnächst wohl noch Fuß- und Halsketten benötigt um all die Subunternehmen auf seinem Körper präsentieren zu können. Amüsant ist diese Werbeschlacht durchaus und beide Streithähne lassen sich mittlerweile auch neue Pointen einfallen. Der tägliche Griff zur Tageszeitung wird für mich jetzt zur Pflichtlektüre, denn ich möchte auf keinen Fall eine von 6 Anzeigen der beiden Firmen nicht gelesen haben. Sie befinden sich mittlerweile in stetem Wandel und auch habe ich das Gefühl, dass die Anzahl der Anzeigen von anfangs 2 über heute 6, bald ins Unendliche wachsen wird.

Aus Journalistenkreisen heißt es, dass Mannesmann den Kampf nicht gewinnen kann, aber der Ausgang, die Entscheidung über das Übernahmeangebot, ob die Mannesmannaktionäre es annehmen oder nicht, ist für mich heute nicht mehr von Belang. Mein Interesse liegt vielmehr darin, die Pointe in einer Anzeige von Mannesmann und Vodafone zu entdecken. Fröhliches Schmunzeln.

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