Bedeutungsbeziehungen

Obschon das 5te Kapitel Bedeutungsbeziehungen in Löbners Semantikeinführung nicht weniger umfangreich ist als die vorhergehenden Kapitel, möchte ich dennoch nur einen Teil zur Resümmierung reservieren. Ein nicht unbeachtlicher Teil des Kapitels, bald die Hälfte sogar, nimmt ein Exkurs ein, der über Verwandtschaftsbezeichnungen im Deutschen Auskunft gibt, diese analysiert und zu nicht uninteressanten Ergebnissen auch im Vergleich zu anderen Sprachen kommt, die jedoch hier nicht wiedergegeben werden.

Einleitend macht Löbner klar, dass sich besonders der Strukturalismus, und dieser vor allem in der Bedeutungsbeschreibung, mit der Beschreibung der Bedeutungsbeziehungen beschäftigt; Bedeutungsbeziehungen liefern nach Löbner wichtige semantische Daten, aber im Vergleich zu logischen Beziehungen stellt sich ein Unterschied dar. Während logische Beziehungen Denotationsbeziehungen darstellen, …

“also Beziehungen, wenn man so will, zwischen den außersprachlichen Korrelaten, oder den Geltungsbereichen sprachlicher Ausdrücke” (S. 116)

…, handelt es sich bei Bedeutungsbeziehungen um etwas anderes, nämlich

“um Konzeptbeziehungen, das heißt Beziehungen zwischen den Bedeutungen selbst” (ebd.).

Auf den nächsten Seiten erläutert Löbner diverse Bedeutungsbeziehungen, angefangen bei der Synonymie (5.1) hin zur Hypnymie (5.2) und diversen Oppositionsbeziehungen (5.3). Synonymie ist nach Löbner die einfachste Bedeutungsbeziehung:

“zwei Ausdrücke sind genau dann synonym, wenn sie dieselbe Bedeutung haben” (S. 117).

Dies zu erreichen ist jedoch nicht einfach, denn dieselbe Bedeutung zu haben verlangt auf allen Bedeutungsebenen dieselbe Bedeutung zu haben. Aus diesem Grund gibt es selten vollständige aber häufig partielle Synonymie (vgl. ebd.). Die Hyponymie ist eine weitere Bedeutungsbeziehung derart, dass A genau dann ein Hyponym von B ist,

“wenn A ein Unterbegriff von B ist […] und wenn die Bedeutung von B Teil der Bedeutung von A ist” (S. 118, Hervorhebung entfernt).

Kapitel 5.3 behandelt das Gros der Oppositionsbeziehungen. Dies sind

“Beziehungen zwischen den Konzepten, die in einem klar definiertbaren Verhältnis zueinanders stehen” (S. 123).

Die erste Oppositionsbeziehung, die Löbner schildert, ist die der Antonymie.

“Zwei Ausdrücke sind antonym, bzw. Antonyme, wenn sie auf einer Skala von Möglichkeiten entgegengesetzte Extreme bezeichnen” (ebd., Hervorhebung entfernt).

Die Lexeme klein und groß oder alt und jung sind Beispiele für Antonyme. Direktionale Opposition wirkt auf den ersten Blick der Antonymie ähnlich, die Lexeme, die jedoch in direktionaler Opposition zueinander stehen befinden sich auf verschiedenen Enden einer Achse, die z. B. die Zeit einteilt, oder den Raum. Oben und unten sind Beispiele ebenso wie vorhin und nachher, uvm. Semantische Komplementarität liegt vor, wenn zwei Lexeme bis auf ein polares (auch: ‘binäres’) Entweder-Oder-Merkmal identisch sind (vgl. S. 127). Heteronymie kann nur bei mehr als zwei Lexemen vorliegen, und zwar dann,

“wenn eine größere Menge von Lexemen, zum Beispiel die Hyponyme eines gemeinsamen Hyperonyms, semantisch ein (möglicherweise offenes) Spektrum von Alternativen aufspannen” (S. 128).

Konversität ist die letzte Oppositionsbeziehung, die Löbner in diesem Kapitel einführt.

“[Z]wei Ausdrücke sind genau dann (zueinander) konvers, wenn sie dieselbe Beziehung mit vertauschten Rollen ausdrücken” (ebd.).

Ein Auflistung aller vorgestellten semantischen Oppositionsbeziehungen findet sich auf S. 130 in Form einer Tabelle. Über und unter oder Elternteil und Kind sind Beispiele für konverse Bedeutungsbeziehungen. In Kapitel 5.4 Wortfelder klärt Löbner noch weitere Bedeutungsbeziehungen auf, die zwischen Lexemen bestehen können. Einleitend heißt es zunächst, dass in der Theorie unterschiedliche Auffassungen von Wortfeldern vorherrschen; bei Löbner fände sich eine enge aber Präzise Vorstellung von Wortfeldern (vgl. S. 130). Ein Wortfeld stellt sich als Gruppe von Lexemen dar,

“die die folgenden Bedingungen erfüllt:

  1. die Lexeme gehören zu derselben grammatischen Kategorie,
  2. ihre Bedeutungen haben gemeinsame Bestandteile,
  3. zwischen ihnen bestehen klar definierte Bedeutungsbeziehungen,
  4. die Gruppe ist bezüglich dieser Beziehungen abgeschlossen.

” (S. 131).

Wortfelder beschreiben in dem Sinn also keine neue Bedeutungsbeziehungen sondern stellen lediglich ein Analyseintrument für eine Gruppe von Lexemen dar. Anzumerken sei auch, dass Wortfelder streng genommen aus Lesarten von Lexemen bestehen und nicht aus Lexemen an sich (vgl. ebd.). Taxonomien sind eine andere Form der Darstellung von Bedeutungsbeziehungen, die sich über mehrere Ebenen erstrecken können. In der Darstellung finden sich Beziehungen von Hyponymen zu Heteronymen, die selbst wieder Hyponyme darstellen können und somit weitere Heteronyme unter sich stehen haben könne (vgl. S. 133).

In Kapitel 5.4.4 Meronymie wird von Löbner zugleich eine Darstellungsform von dieser Bedeutungsbeziehung geschildert wie die Bedeutungsbeziehung selbst.

“Systeme, die auf Meronymie basieren, heißen Mereologien. A ist genau dann ein Meronym von B, und B ein/das Holonym von A, wenn ein potenzieller Referent von A durch die Bedeutung von A als konstitutiver Teil eines potenziellen Referenten von B konzipiert ist” (S. 135, Hervorhebungen entfernt).

Körperteilbezeichnungen können beispielsweise in Form einer Mereologie dargestellt werden (vgl. S. 134). Wie bereits zu Beginn angemerkt möchte ich auf die Darlegung des Exkurses über Verwandtschaftsbezeichnungen verzichten. Diese exemplarische Analyse von Löbner ist sehr erhellend, was die Logik von Verwandtschaftbezeichnungen und den zugehörigen Relationen angeht, weist an manchen Stellen auf Unterschiede in anderen Sprachen hin, liefert aber nur einen wenig hilfreichen Beitrag für die vorgenommene Skizzierung von Bedeutungsbeziehungen an und für sich.

Löbner, Sebastian, 2003: Semantik. Eine Einführung. - Berlin u. New York: de Gruyter.

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