Syntaktische Relationen à la Eisenberg

In diesem Fall musste ich die Überschrift mittels dieser Präpositional-Gruppe in ihrer Extension einschränken. Oha…mich deucht, ich habe zu viel Zeit mit diesen Grammatik-Texten zugebracht. Nun, wie dem auch sei, möchte ich jetzt, da ich bereits den Abschnitt aus Eisenbergs Grammatik über syntaktische Kategorien und ebenso den über syntaktische Strukturen gelesen habe, mich dem darauf folgenden Abschnitt 2.3 Syntaktische Relationen widmen. Eines vorweg – ich werde den Abschnitt 2.3.2 Syntaktische Relationen im Deutschen bei meiner Zusammenfassung außen vor lassen. Einen Grund liefert Eisenberg selbst, doch dazu an späterer Stelle mehr.

Was wissen wir bisher? Es gibt syntaktische Kategorien und es gibt syntaktische Strukturen, derer wir mit Hilfe der syntaktischen Kategorien habhaft werden können. Wenn ich meinen Eindrücken beim Lesen trauen darf, dann ergibt sich mit den syntaktischen Relationen nicht unbedingt eine neue Beschreibungsebene, doch aber eine neue Perspektive der Beschreibung von Folgen syntaktischer Einheiten oder Grundformen, also Sätzen. Nennen wir es dennoch einmal Beschreibungsebene und fahren dann fort, dass man auf dieser Ebene mit eigenen Begriffen für bestimmte Konstituentenkategorien gewisse relationale Begriffe beschreibt. Begriffe wie Subjekt, Prädikat oder Objekt stehen nie für sich allein, sondern erfahren ihre Beschreibung erst in Abgrenzung zu anderen Elementen dieser Beschreibungsebene und also auch ihrer Funktion auf dieser Ebene.

“In der relationalen Redeweise kann man auf einfache Weise ausdrücken, daß Ausdrücke mit einer bestimmten Form […] in unterschiedlicher syntaktischer Funktion vorkommen” aber auch umgekehrt “dadurch, daß man Ausdrücken unterschiedlicher Form dieselbe syntaktische Funktion zuschreibt” (S. 59).

Eine Eindeutigkeit der Beziehung zwischen Form und Funktion gibt es demnach nicht. Vor der Vermischung der Begriffe auf der funktionalen und auf der Form-Ebene wird jedoch strikt abgeraten (vgl. S. 60). Eisenberg zitiert an dieser Stelle sogar Chomsky der genau dieses Credo ausgibt. Im Anschluss präsentiert Eisenberg Aspekte einer Grammatik von Blatz aus dem Jahr 1896, die er in vielerlei Hinsicht gut findet, in einer Hinsicht aber noch verbesserungswürdig findet (vgl. S.60f.). Blatz unterscheidet nämlich strikt nach Kategorien und Funktionen, vermischt beides also nicht und trotzdem, findet Eisenberg, lässt sich am Ende ein Schritt einsparen, wenn man darauf verzichtet die Form relational (funktional) zu erklären. Denn relationale

“Begriffe definieren wir mithilfe von kategorialen und niemals umgekehrt” (S. 59).

Eisenberg präsentiert dann den Stand des Diskurses ob der Verwendung relationaler Begriffe oder dessen Verzicht (vgl. S. 62). Auch wenn Eisenberg zuvor die Grammatik von Blatz in dem Punkt komprimieren wollte, die syntaktische Beschreibung ausschließlich vermittels kategorialer Beschreibung durchzuführen, so sieht er dennoch einen Gewinn bringenden Nutzen in der relationalen, respektive funktionalen Beschreibungsweise. Er formuliert dies wie folgt:

“Wie wir wissen, kennzeichnet die syntaktische Struktur die Form syntaktischer Einheiten vollständig und unabhängig von ihrer Funktion. Der syntaktischen Struktur selbst ist ja nichts darüber zu entnehmen, welche Merkmale der Form entscheidend sind für die Satzbedeutung, welche bestimmten rhetorischen oder stilistischen Zwecken dienen, welche der Verbesserung der Verständlichkeit des Satzes dienen usw. Mit den syntaktischen Relationen würde eine und die wichtigste Funktion der Form von Sätzen, nämlich die Konstitution und Enkodierung von Satzbedeutungen, besonders herausgehoben. Sätze wie Sonja verpaßt den Zug und Den Zug verpaßt Sonja unterscheiden sich syntaktisch erheblich voneinander, sie unterscheiden sich aber nicht in Hinsicht auf ihre relationale Struktur (beide bestehen aus Subjekt, Prädikat und Objekt) und sie unterscheiden sich folglich nicht in ihrer Bedeutung” (S. 63).

Dies ist sodann auch die Quintessenz dieses Abschnitts;

“relationale Ausdrücke [funktionieren] als das Verbindungsstück (link) zwischen der Form von Sätzen und ihrer Bedeutung” (S. 64).

Die Beschreibung syntaktischer Relationen im Deutschen, die Eisenberg nun folgen lässt ist für das grundlegende Verständnis dieses Sachverhalts allerdings nicht mehr notwendig, weshalb ich darauf verzichte, den Abschnitt ebenfalls an dieser Stelle zusammenzufassen.

Eisenberg, Peter, 1994: Grundriß der deutschen Grammatik. 3., überarbeitete Auflage. Stuttgart u. Weimar: Metzler

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